Vertriebene, Ausgewiesene und Umsiedler

„Dreigenerationengespräch über Krieg – Umsiedlungen – Integration – Versöhnung“ lautete
das Thema der deutsch-polnischen wissenschaftlichen Tagung in Kulice bei Nowogard. Die
Europäische Akademie Külz-Kulice und das Institut für Geschichte und Internationale
Beziehungen der Universität Stettin organisierten die Veranstaltung in der Zeit vom 22. bis
zum 25. Oktober. Es war bereits die zweite Tagung über Zwangsmigrationen in Polen und
Deutschland im 20. Jahrhundert.
Unter anderem trat dort Ramona Zühlke aus Schwedt auf. Sie referierte über die Umsiedlung der polnischen Bevölkerung aus den Ostgebieten nachMieszkowice (Bärwalde) im Jahr 1945 und moderierte am folgenden Tag eine Diskussion. Vor zwei Jahren hatte die Autorin an der Universität Potsdam ihre Magisterarbeit über dieses Thema geschrieben (Fragmente davon veröffentlichten wir in diesem Jahr in den Nummern 4 und 5 dieser Zeitung). Einer der Moderatoren war Paweł Migdalski, der Vorsitzende der Historisch-kulturellen Vereinigung „Terra incognita“ in Chojna. Zu den Teilnehmern gehörten Wissenschaftler und Studenten aus Stettin, von der Viadrina-Universität in Frankfurt/O., aus Würzburg, Poznań/Posen, Greifswald und Osnabrück. Von ihrem Schicksal erzählten Autochthone: Renate Jachow (die bis 1957 in Stettin lebte und seitdem in Köln) sowie Uwe Conradt aus Nowe Warpno (Neuwarp). Über die Rolle der Kirche bei der Integration der Umsiedler sollte Erzbischof Marian Przykucki sprechen, aber er starb leider – wie bekannt – eine Woche vor der Tagung.
Hintergrund für die Schicksale von Polen und Deutschen waren Vorträge über Umsiedlungen
in Weißrussland, Karelien und Unterfranken. Professor Jan M. Piskorski von der Universität
Stettin äußerte sich kritisch sowohl über die Schaffung des Zentrums gegen Vertreibungen in
Berlin wie auch über das in Danzig entstehende Museum des Zweiten Weltkriegs, da man
Krieg und Vertreibungen nicht isoliert betrachten könne. Deshalb sollte eine gemeinsame
Institution entstehen, die beiden Phänomenen gewidmet ist. „Doch weder in Polen noch in
Deutschland wollte man mich anhören“, sagte er. Er sprach auch über die Gemeinschaft der
Ausgewiesenen (das ist seiner Ansicht nach ein besserer Begriff als „Vertriebene“) und
Deportierten als europäische Aufgabe. „Der größte Erfolg auf diesen Tagungen besteht
darin, dass Deutsche über die Vertreibung von Polen sprechen und Polen über die
Vertreibung von Deutschen. Auch das ist Versöhnung, obwohl wir dieses Wort hier nicht
verwenden“, lautete Piskorskis Resümee.

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Veröffentlichung/ data publikacji: 03.11.2009