"Tüchtig, klug, womöglich sogar charmant"

Vor 50 Jahren begann der Prozess gegen Adolf Eichmann. Historiker Ulrich Herbert sieht in ihm eher einen intellektuellen Überzeugungstäter als einen asozialen Verbrecher.
Warum ist es noch heute so schwierig aufzuzeigen, wie BND und BKA Täter wie Eichmann und Barbie beschützt haben. Das passt doch nicht zum Selbstbild des Weltmeisters in Vergangenheitsbewältigung?
Zum einen: Alle Bundesregierungen bis in die späten 90er Jahre haben sorgfältig darauf geachtet, dass diese "sicherheitsrelevanten" Bereiche hermetisch verschlossen blieben. Erst jetzt wird vorsichtig Aktenzugang gewährt. Zum anderen ist das Bild eines gelungenen Projekts "Vergangenheitsbewältigung" eben falsch und trägt zur Mythenbildung bei. Zur Erinnerung: Sinti und Roma galten bis in die 60er Jahre nicht als NS-Verfolgte, weder juristisch noch in der öffentlichen Meinung - will sagen: Sie galten als Kriminelle, die sozusagen zu Recht im KZ gewesen waren. Es hat viele Jahre und ungeheure Mühe gebraucht, das zu ändern. Die so genannte Vergangenheitsbewältigung war in Wirklichkeit ein jahrzehntelanger Kampf um Aufklärung - gegen eine Verschwörung der Verschwiegenheit. Hinterher sieht es dann so aus, als habe man immer schon alles gewusst und alle seien immer dafür gewesen, das aufzuklären.

Vollständiger Text/ cały tekst: http://www.taz.de/1/leben/buch/artikel/1/tuechtig-klug-sogar...
Veröffentlichung/ data publikacji: 11.04.2011