Jahrbuch Polen 2011 Kultur - Deutsches Polen-Institut (Hrsg.)

Die aktuelle Ausgabe des Jahrbuch Polen 2011 Kultur bietet einen Einblick in die kulturelle Entwicklung Polens nach 1989. So charakterisiert Anna Nasiłowska in ihrem Essay die Haltung nicht nur der Juristen und Ökonomen, die die Politik im freien Polen bestimmen, sondern auch der Vertreter aus dem Wissenschafts-, Kultur- und Medienbereich, die auf eine Kürzung staatlicher Ausgaben für Kultur drängten, deren Konsequenzen überall sichtbar sind. Przemysław Czapliński beschäftigt sich mit dem Einfluss der Geschichte auf die polnische Gegenwartskultur. Er macht deutlich, wie vor allem die Kultur (Literatur, Film, Comic und Musik) die vorherrschende Geschichtsbetrachtung („Geschichtspolitik“) in Polen nach 1989 reflektierte. Auf eine spannende Entwicklung in der polnischen Literatur weist Paweł Dunin-Wąsowicz hin, der in die Szene der »alternativen Historie« einführt (Was wäre gewesen, wenn …). Dabei betreffen die meisten Werke die Schlüsselereignisse des 20. Jahrhunderts, darunter ganz besonders den Zweiten Weltkrieg. Dass in Deutschland kein einziges Buch dieses Genres übersetzt wurde, erstaunt ein wenig, tangieren doch die meisten Werke dieses Genres direkt das deutsch-polnische Verhältnis.
Nawojka Cieślińska berichtet über die polnische Kunstszene in Berlin, Anna Weronika Brzezińska über polnische Volkskultur und Olaf Kühl über die Karriere von Dorota Masłowska; der Soziologe Tomasz Szlendak präsentiert den Typus des polnischen (Pop-)Kulturkonsumenten. Stefanie Peter und Philipp Goll porträtieren in ihrem Beitrag das Milieu um die linke Monatsschrift KRYTYKA POLITYCZNA und stellen dabei den mit dem Magazin verbundenen Künstler Artur Żmijewski vor. Interviews mit dem Komponisten Paweł Mykietyn und dem Maler Wilhelm Sasnal beweisen, dass die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur, dem Heimatland und seiner Geschichte für polnische Künstler von aktueller Bedeutung ist.
Im Literaturteil des Jahrbuchs 2011 finden sich Prosawerke von Łukasz Orbitowski, Albrecht Lempp, Stefan Chwin / Krystyna Lars, Wiesław Myśliwski und Piotr Paziński, dazu ein Auszug aus einem Theaterstück von Dorota Masłowska und Gedichte von Artur Szlosarek. Unsere Chronik »Mein Jahr« hat Olga Tokarczuk geschrieben.
Jahrbuch Polen 2011 / Kultur. Wiesbaden 2011, 235 S., Preis: 11,80 € (Abo 9 €) ISBN 978-3-447-06482-8; http://deutsches-polen-institut.de/Publikationen/Jahrbuch-Ansichten/Jahr... Bestellung: verlag@harrassowitz.de oder kaluza@dpi-da.de

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Veröffentlichung/ data publikacji: 02.05.2011