Zum Tod von Jorge Semprún - Von Treue und Verrat

Anders als Primo Levi oder Robert Antelme, die schon lange vorher zu Papier gebracht hatten, was ihnen widerfahren war, hat Semprún das Ausmaß der Erniedrigung, das KZ-Häftlinge erdulden mussten, aus einer gewissen Distanz geschildert. Achtzehn Jahre hatte er gebraucht, um dem Erlebten seine literarische Form zu geben, um das Unglück und den Tod aus der Perspektive des letztlich souveränen Beobachters zu beschreiben, dessen Ego sich von nichts und niemandem anfechten lässt, weder von den Umständen der Lagerhaft noch von den Nazis oder den älteren deutschen Kommunisten, die in Buchenwalds interner Organisation das Sagen hatten, auf den jungen Spanier herabblickten und sich mit Lebensmitteln sehr viel besser zu versorgen wussten als er.
1936 brach der Bürgerkrieg aus. Die Familie wurde in den langen Sommerferien an der nordspanischen Küste vom Vordringen der Franquisten überrascht. Sie floh, versteckt im Bauch eines Fischerbootes, zusammen mit vielen anderen Flüchtlingen. Nun begann, was Semprún mit einem Wort von Karl Marx "die lange Nacht des Exils" genannt hat.

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Veröffentlichung/ data publikacji: 09.06.2011