Wie sagt man „Heimat“ auf polnisch?

Zur Geschichte der gesellschaftlichen Verwurzelung in Polens West- und Nordgebieten

In der polnischen Sprache gibt es keine wörtliche Entsprechung des Begriffs Heimat. Dies bedeutet aber nicht, dass es in der polnischen Kultur keine Erscheinungen gäbe, die man mit dem Wort Heimat umschreiben könnte. Es gibt Texte und Phänomene, die sich auf verschiedene Regionen beziehen, und die über die reine Semantik des Begriffs Region hinausgehen. (1) In den Dokumenten der ersten Jahre der polnischen Ansiedlung in den westlichen und nördlichen Gebieten nach dem Krieg findet man zahlreiche Hinweise über Auseinandersetzungen zwischen beispielsweise den Posenern, Lembergern und Wilnaern, oder über Krakauer bzw. Warschauer „Charaktere”, wie auch über die Sehnsucht der Ansiedler nach ihrer angestammten Gegend. Das sind reale Phänomene, die hervorragend mit Heimat oder Heimatkultur beschrieben werden könnten, wenn es solche Begriffe im Polnischen gäbe.

Im Polnischen kennt man dafür seit einigen Jahren die Bezeichnung mała ojczyzna (kleines Vaterland), die als deckungsgleich mit dem deutschen Heimatbegriff gilt. Bevor diese Bezeichnung entstand und besonders im Hinblick auf die West- und Nordgebiete akzeptiert wurde, vollzogen sich in Polen tiefgreifende politische und gesellschaftliche Umwälzungen. Unmittelbar nach dem Krieg hätte diese Bezeichnung sicher nicht entstehen können. Die polnischen Ansiedler ließen sich doch auf den bis vor kurzem deutschen Gebieten nieder, die nichts mit ihrer ojcowizna (väterlicher Hof und Boden) oder ihren angestammten Gebieten zu tun hatten. Um einen Raum als eigene Heimat zu begreifen, muss das Bewusstsein entstehen, zuhause zu sein. (2) Und das braucht Zeit. Versuchen wir, diesen Prozess grob zu skizzieren.

Das Jahr 1945 – ein „vorgefertiges Bewusstsein“

Die ersten polnischen Ansiedler kannten diese Gegend nicht aus eigener Erfahrung, sie verbrachten hier nicht ihre Kindheit, in der sich besonders starke emotionale Bindungen an die Umwelt entwickeln. Keinerlei Mythologie verband sie mit dieser Gegend. Es gab nur die ewige, wie man damals sagte, Feindschaft gegen die Deutschen und gegen alles, was deutsch war. Die Behörden beschlossen, den Ansiedlern eine Art „vorgefertiges Bewusstsein“ anzubieten. Diese wiederum hatten keine andere Wahl, als dieses Bewusstein anzunehmen und sich anzueignen. Das wiederum unterstützte die Politik der neuen polnischen Staatsmacht, vollendete Tatsachen zu schaffen. Diese Politik sollte auf der für 1949 geplanten Friedenskonferenz die Behauptungen der Warschauer Regierung rechtfertigen, die West- und Nordgebiete seien bereits vollständig in den polnischen Staat integriert worden. Die lokale Bevölkerung hatte also damals keine Chance, ihre lokale oder regionale spezifische Identität zu entwickeln. Die Ansiedler mussten (wollten aber auch) ihre Bindung an das „ideologische Vaterland” stärken, auch wenn sie der neuen Macht und dem neuen polnischen Staat sehr kritisch gegenüber standen.

Ein Bewusstsein über die Integration in das Mutterland (so sagte man damals) wurde mittels sprachlicher Wendungen, also mittels Propaganda geschaffen. Man nannte diese Gebiete also „die alten Gebiete”, „die neuen Gebiete”, „die wiedergewonnenen Gebiete” (ein Ministerium für die Wiedergewonnenen Gebiete wurde eingerichtet), die zum Mutterland zurückgekehrt seien, bzw. zu denen das Mutterland zurückgekehrt sei. Überall wurde von der piastischen Tradition gesprochen, unabhängig davon, ob diese Gebiete tatsächlich eine historische Verbindung zu den Piasten gehabt hatten. Die Tradition des piastischen Polen, dessen Interesse auf die Westslawen zielte und das gen Westen expandieren wollte, also die Tradition eines antideutschen Polen (so verstand man das damals) wurde gewissermaßen zur Staatsdoktrin. Eines der ersten Bücher, die nach dem Krieg in Stettin erschienen, trug den Titel „In den piastischen Städten Westpommerns”. Sein Autor war Stanisław Helsztyński, der erste Beauftragte für das Bildungswesen in Stettin nach dem Krieg. (3) Das Polen der Piasten wurde dem Polen der Jagiellonen entgegengestellt. Letzteres soll sich trotz seiner zweifellosen Erfolge (Sieg in der Schlacht bei Tannenberg 1410) vom Westen ab und dem Osten zugewandt haben, das Interesse für die „piastischen Gebiete an Oder und Ostsee” verloren und sich auf das sinnlose Wetteifern um die Vormachtstellung mit Russland eingelassen haben. In der Ostorientierung und dem entsprechenden Wechsel der Expansionsrichtung der Jagiellonen, sah man die Ursache des späteren Untergangs des polnischen Staates. Die Rückkehr zur piastischen Idee sollte Polen, unterstützt durch die Allianz mit der Sowjetunion, eine sichere Zukunft garantieren.

Das „eigene” Land

Den ersten Ansiedlern verschaffte man also eine gemeinsame Mythologie, indem man ihnen sagte, sie seien in ihr „eigenes Land” zurückgekehrt, in das „uralte piastische Land“, das Polen erkämpft und „durch ein gerechtes Urteil der Geschichte wiedererlangt habe“. Für die bisherigen Einwohner von Wilna, Krakau, Posen oder Lemberg war Westpommern (das sagte ihnen nichts) nicht das „eigene” und erst recht nicht das „heimatliche” Land, sondern das war allenfalls das polnische Land. Das Eigene, das Heimatliche hatten sie dort zurückgelassen, woher sie gekommen waren. Sie glaubten also daran, dass sie sich im Land ihrer Urahnen, der mythischen slawischen Väter ansiedeln, um diesem Land nach Jahrhunderten der Germanisierung seine wahre – slawische, also polnische – Kultur zurückzubringen. Wenn sie aber diesen mythologisierten Raum verließen und sich im realen Raum bewegten, wenn sie für die Feiertage oder Ferien in ihre Herkunftsorte reisten, sagten sie (auch viele Jahre später, manchmal noch heute): „Ich fahre nach Hause”, „Ich fahre nach Polen.” Und wenn jemand aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten stammte, stellte er fest: „Ich darf mein Zuhause nicht besuchen.”

Es fiel nicht leicht, sich in den neuen Orten einzuleben. Das Sich Einrichten in dem Wohnort, in dem neuen Raum und der neuen Gemeinschaft konnte sich nicht von einem Tag auf den anderen vollziehen. Bis heute sind die Bekundungen der Ukrainer bemerkenswert, die infolge der Aktion Weichsel seit 1947 in den West- und Nordgebieten leben. (4) Viele von ihnen besuchen seit 1990 regelmäßig ihr Zuhause, manch einer kehrte dorthin zurück, wenn es noch etwas gab, zu dem man zurückkehren konnte. Wasyl Bilo aus Trzebiatów (Treptow an der Rega), dessen Heimatdorf im Südosten Polens 1947 zerstört wurde, sagt: „Ich träume davon, in meine Heimat zurückkehren zu können. Ein kleines Holzhaus, die warmen Nächte ... Und hier (in Trzebiatów – B.T.) ist es kalt. Jeder möchte zurückkehren, aber dazu müsste es Möglichkeiten geben. (...) Die Kinder fahren jedes Jahr zum Treffen der Lemken in Żdynia.” (5) Und noch ein Zitat von Wasyl Bilos Ehefrau Daria Walicka-Bilo: „Ich sehne mich immer schrecklich nach der Ukraine. Ich gewinne dann an Kraft und Vitalität.” (6)

Die Mission der „Repolonisierung”

Wie entstanden die ersten Bindungen der Ansiedler an die neuen Gebiete? Die Polen siedelten sich hier nach dem Krieg aus verschiedenen Gründen an. Etwa ein Drittel entschloss sich dazu, weil sie ihre Heimat in den polnischen Ostmarken verloren hatten. Die meisten stammten aber aus Zentralpolen und kamen freiwillig hierher oder infolge einer administrativen Arbeitszuweisung. Die erste Phase der Ansiedlung war freiwillig. Sie war „eine spontane Bewegung in Richtung der Wiedergewonnenen Gebieten”, wie es in einem Dokument des Polnischen Westverbandes heißt. (7) Die ersten Ansiedler, insbesondere die aus der Posener Gegend, zogen in die „alten Piasten-Gebiete” mit dem Gefühl, die Mission der Repolonisierung erfüllen zu müssen, und die Städte in Großpolen übernahmen Patenschaften für Städte in den neuen Gebieten.

Für die Militäransiedler war als Beweggrund das im Kampf um diese Erde vergossene Blut wichtig. Die Witwe eines Soldaten, der an der Front umgekommen war, begründete ihren an die Behörden gestellten Antrag auf einen Bauernhof folgendermaßen: „Mein Mann ging am 14.11.1944 zur Polnischen Armee, am 3. Mai 1945 wurde er bei der Überquerung der Elbe getötet (...) und mein Wunsch und meine Mühe gilt einzig dem, mich in diesen wiedergewonnenen und an Polen angeschlossenen Gebieten anzusiedeln, in denen mein Mann gekämpft und einen Heldentod gestorben ist, um hier für das Wohl der Polnischen Nation zu arbeiten und das Polentum in dieser Region zu stärken.” (8)

Die Frontsoldaten (Militäransiedler) wie auch die Ansiedler aus Großpolen und Zentralpolen benahmen sich in diesen Gebieten oft wie Eroberer. Sie demonstrierten, dass sie im Interesse des Staates, im Namen des „ideologischen Vaterlandes” handelten. Ein Soldat, Ansiedler in der Gegend von Boleszkowice (früher Fürstenfelde) schrieb bezeichnenderweise: „Es war schon seltsam, als wir zu dieser Ansiedlung ankamen, aber wir haben uns schnell eingewöhnt. Ich bekam einen Bauernhof, auf dem eine deutsche Familie war, ich habe sie vom Hof verwiesen und bin dort eingezogen. Wenn ich morgens aufstehe, habe ich alles fertig da, nach dem Frühstück hole ich die deutschen (sic!) und nehme sie zur Arbeit mit. (...) Ich glaube daran, dass ich innerhalb kurzer Zeit im Wohlstand leben und für unser geliebtes Vaterland arbeiten kann, damit uns der Deutsche nicht mehr ins Gesicht spuckt.” (9)

Der neue Lebensort war insofern der „eigene”, als er durch den Kampf gegen die Deutschen, durch Blut, Aufrechnung des Leids und Sieg geheiligt wurde und dies sowohl auf der Ebene von Mythen und Symbolen, nach Jahrhunderten von Niederlagen, als auch in der realen Wirklichkeit an den Fronten des Zweiten Weltkrieges. Die freiwilligen Ansiedler und die Militäransiedler begannen ihr Leben in diesen Gebieten als Vollstrecker eines gerechten Urteils der Geschichte (so sprach man damals) und als Sieger über die Deutschen. Diese Meinung kommt deutlich in den Tagebüchern des ersten polnischen Stadtpräsidenten von Stettin, Piotr Zaremba, zum Ausdruck. Am 5. Juli 1945, also am Tag der Übernahme der Stadtverwaltung von den Deutschen, notierte Zaremba: „Ich wende mich an die Deutschen auf Deutsch und teile ihnen nur mit, dass die und die Herren am morgigen Tag die und die Abteilungen übernehmen. Darüber hinaus mache ich ihnen klar, dass die führenden Personen der ehemaligen deutschen Stadtverwaltung die Stadt zu verlassen haben, aber nur mit meiner persönlichen Genehmigung. Die Deutschen sagten während der ganzen Zeit kein einziges Wort. Es ist der erträumte, seit Jahren erwartete Augenblick. Mir scheint, dass es in ganz Polen keine einzige Stadt gibt, in der die Deutschen ihre Macht auf solch kalte und raffinierte Weise abgegeben haben – denn anderswo wurden sie nur vertrieben.” (10)

Die semantische Aneignung des Raumes

Es kam vor, dass die Bauernhöfe durch jene Landarbeiter übernommen wurden, die während des Krieges dort bei den deutschen Bauern zwangsweise gearbeitet hatten. Einer dieser Landarbeiter schrieb an die Behörden: „Und worum es geht, ist das, ich war als Sklave auf diesem Bauernhof, und so bitte ich, ihn mir zuzuweisen, weil ich mich hier abgemüht habe und mir wünsche, ihn zu bekommen.” (11) Ein anderer Fall war Herman W., ein in Berlin geborener Tischler, der – wie er in seinem Antrag auf die polnische Staatsbürgerschaft schreibt – 1920 „in die Wojewodschaft Nojmark nach Kinigsberg kam”. Er wollte im heutigen Chojna (ehemals Königsberg in der Neumark) bleiben. Dies konnte er nur mit Genehmigung der Behörden. Um die Beamten zu überzeugen, schrieb er, er sei katholisch, habe keiner deutschen Partei angehört, von den Deutschen viel Leid erfahren, und sein „Großvater mütterlicherseits stammte aus Kongresspolen.” (12) Ob er in Chojna bleiben durfte, hing also nicht von seiner jahrelangen Ansässigkeit in der Stadt ab, sondern davon, ob er den durch die zentralen Behörden festgelegten Kriterien der Zugehörigkeit zum ideologischen Vaterland entsprach.

Wie sich die Beziehungen zwischen den Ansiedlern und ihrem neuen Kulturraum entwickelten, spiegelt ein Ereignis von Dębno (ehemals Neudamm) vom September 1946 wider, in das etliche Personen, darunter Behördenvertreter, involviert waren. Seit November 1945 arbeitete im dortigen Schrottdepot ein taubstummer Ansiedler (damals sagte man: Repatriant), der laut behördlichen Nachweisen aus der Gegend von Stanisławów (heute Iwanofrankiwsk in der Ukraine) gekommen war. Seine Papiere waren ihm unterwegs gestohlen worden. Man wusste also weder, wer er war, noch wie er hieß. Die Mitarbeiter der Firma wollten ihm helfen und verfassten einen Brief an den Landrat: „Der oben genannte Taubstumme ist zudem Analphabet, so dass man seinen Namen nicht feststellen kann. Ohne Personalpapiere ist er oft Unannehmlichkeiten ausgesetzt. Daher bitten wir das Kreislandratsamt, ihm einen Namen zu geben. Die Versammlung aller Mitarbeiter beschloss, ihm den Familiennamen ‘Repatryant” und den Vornamen ‘Franciszek’ zu geben.” (13)

Die ganze Angelegenheit könnte man wie eine der vielen traurigen Nachkriegsgeschichten betrachten, wäre da nicht der Namensvorschlag. Denn alles deutet darauf hin, dass die Antragsteller in jenem taubstummen Analphabeten einen symbolischen Repräsentanten der „Repatrianten” sahen (der Vorname Franciszek war damals gängig), als eine Ikone der Menschen, die über keine eigene Stimme verfügen, und die man deshalb einfach benennen muss.

Der Landrat konnte dem Antrag mangels Kompetenz nicht zustimmen und leitete ihn deshalb an das Wojewodschaftsamt in Stettin weiter. Aber auch er behandelte diesen Menschen wie eine Ikone. Er schlug vor, ihm nicht den Familiennamen „Repatryant”, sondern „Zabugowski” zu geben, da er von jenseits des Bug gekommen war, oder bspw. „Dębski”, weil er in Dębno lebte. Die Angelegenheit zog sich mehr als zwei Jahre hin. Letztendlich stellte das Wojewodschaftsamt am 7. Dezember 1948 die Dokumente aus. Man legte das Geburtsdatum dieses Mannes (7. Dezember 1912) fest, man dachte sich seine Eltern (Antoni und Maria, geborene Krzemińska) aus und verlieh ihm den Vornamen Franciszek und den Familiennamen Zabużański. „Zabugowski” könnte, wie man zu Recht argumentierte, ironisch klingen. (14) Dass man einem taubstummen Analphabeten einen semantisch so markanten Namen gab, symbolisiert den Prozess der Bewusstwerdung der Ansiedler, wer sie in den neuen Lebensorten und dem neuen Kulturraum waren. Sie wollten sich diesen Raum semantisch aneignen.

Spontan erfanden sie Ortsnamen. So nannten sie beispielsweise ein Dorf (bei Chojna) Nawodna, nach dem Namen des ersten und hochgeschätzten Gemeindevorstehers. Es gab Dorfnamen wie Akowo [nach dem Kürzel AK: Heimatarmee], Kościuszki [nach der Kościuszko-Armee] oder Narvik, ein Hinweis auf persönliche Erfahrungen der Ansiedler. Es gab auch andere Ortsnamen, die die Westgebiete symbolisch in den Raum des ideologischen Vaterlandes integrierten, wie Piastów [nach dem Piasten-Geschlecht], Chrobryń [nach König Bolesław Chrobry], Wojciechowo [nach dem Heiligen Adalbert], Gniazdowo [nach dem Heimatnest], Jurandowo [nach Jurand, einer literarischen Gestalt aus der Zeit der Kriege gegen den Deutschen Orden], Placówka [nach dem Titel eines Romans von Bolesław Prus, in dem der polnische Widerstand gegen deutsche Kolonisten geschildert wird].

Viele jener Ortsnamen, die aus dem authentischen Bedürfnis entstanden waren, sich den fremden Raum anzueignen, ersetzten die Behörden später durch historische Namen, die sprachlich gesehen einen – wie man sagte – slawischen Wortkern hatten und nach der Methode von Pfarrer Stanisław Kozierowski rekonstruiert worden waren. (15) Viele alte, tradierte Ortsnamen mussten gar nicht rekonstruiert werden, es reichte, sie zu polonisieren (zu reslawisieren), da die etymologisch slawischen Namen im Laufe der Jahrhunderte in die deutsche Lexik eingegangen waren. Als man sie nach dem Krieg polonisierte, wurden sie zum deutlichen Beweis der These, dass Polen „die Jahrhunderte lange Schicht des Deutschtums” abgetragen hatte und damit in seine alten Gebiete zurückgekehrt war. Aber den Ansiedlern, die diese Gebiete zu bewirtschaften begannen, sagten diese Ortsnamen oft gar nichts.

Auch die Straßennamen in den Städten sollten die Bindung jener Orte an das ideologische Vaterland betonen, sie in den Raum der polnischen Symbolik einbinden und nicht etwa die Orientierung im realen Raum erleichtern. In Stettin wurde beispielsweise die Straße, die in Richtung Westen und Berlin verlief, also die Berliner Straße, in Mieszko-I.-Straße umbenannt. Während der deutsche Straßenname sich an der Topographie orientiert hatte, knüpfte der polnische an den symbolischen Raum der nationalen Mythologie an, so als sollte er den Einwohnern von Stettin versichern, dass sie doch bei sich zuhause, in ihrem eigenen Raum seien, und ihnen von den Deutschen keine Gefahr drohe, da Mieszko I. derjenige gewesen war, der sie in der Schlacht bei Cedynia (Zehden) an der Oder besiegt hatte.

Ähnlich war es z.B. in Trzebiatów, aber man könnte auch jede beliebige andere Stadt in den westlichen und nördlichen Gebieten heranziehen. Andrzej Chludziński gibt an, 35 Prozent der Straßennamen in der deutschen Zeit hätten lokale topographische Bezeichnungen aufgegriffen, um den Menschen die Orientierung zu erleichtern. Heute gibt es so gut wie keine derartigen polnischen Straßennamen in Trzebiatów. (16) Die Namensgebung, die nach dem Krieg im neuen polnischen Großraum praktiziert wurde, sollte die Bindung der Stadt an das ideologische Vaterland bestätigen. Trzebiatów funktionierte damals noch nicht als polnische Heimat. Die neuen Einwohner waren dort noch nicht heimisch, oder anders – sie erkannten den Ort noch nicht als den ihren, sie identifizierten sich mit dem Ort noch nicht. Im Grunde war es ihnen gleichgültig, wo genau sie im polnischen Westen oder Norden lebten. Hauptsache, es war Polen, oder genauer: der polnische Staat.

Neben Kirchen und Amtsgebäuden waren Bahnstationen und Bahnhöfe wichtige Markierungspunkte im Raum. Etliche Ansiedler wählten Wohnung oder Haus in der Nähe eines Bahnhofs, auch wenn die nicht im besten Zustand waren, um von dort besser wegzukommen, falls die Deutschen zurückkehren sollten.

Die Ansiedler versuchten, dem neuen Raum Merkmale des wohlbekannten Raumes, der einst der ihre gewesen war, zu geben. Dabei bedienten sie sich der Namensgebung, suchten aber auch nach Plätzen und Landschaften, die sie als eigene, heimatliche anerkennen könnten. Katarzyna Suchodolska, eine bekannte Schriftstellerin aus Polesien, die nach dem Krieg in Stettin lebte, fand zusammen mit ihrem Mann polesische Landschaften an der westpommerschen Drage (Drawa). Sie schrieb darüber u.a. in ihren Büchern Ciche trawy [Stille Gräser] (1966), Jedenaście bajek o kwiatach [Elf Märchen über Blumen] (1984) Echo nad bindugą [Das Echo am Flößerplatz] (1986). Der Raum wurde auch mittels religiöser und nationaler Symbole heimisch gemacht. Die Umsiedler hatten Erinnerungsstücke aus ihrer Heimat mitgebracht, u.a. Kultgegenstände wie z.B. Bilder der Muttergottes vom Tor der Morgenröte (Ostra Brama) in Wilna. Die Reliquien halfen ihnen, sich im neuen Raum sicher zu fühlen. Der Raum wurde sakralisiert, die protestantischen Kirchen und Friedhöfe erfuhren eine Neueinweihung im katholischen Ritus.

Die Schicht des Deutschtums entfernen

Ein zweiter Aspekt des Aneignungsprozesses bestand im Beseitigen von Spuren deutscher Kultur und deutscher Erinnerung. Deutsche Symbole, Aufschriften, Schilder wurden entfernt, deutsche Bücher aus Bibliotheken und historische Objekte aus Museen, insbesondere aus den Heimatstuben wurden weggeschafft. Sehr viele Dokumente wurden vernichtet. Sie waren deutsch, also im allgemeinen Verständnis unnütz. Infolge dessen wurden u.a. die Museen in Trzebiatów, Dębno und Łobez (Labes) aufgelöst und die von speziellen Teams geretteten Sammlungen nach Stettin und in andere Einrichtungen in Zentralpolen transportiert. Die Mitarbeiter des Stargarder Museums fanden vor einigen Jahren zahlreiche historische Gegenstände und Bücher aus ihrer Stadt in den Universitätsbibliotheken in Lodz und Thorn; es gibt auch welche in Stettin und im Nationalmuseum in Posen. Es kam auch vor, dass man deutsche Bücher und Kulturwerke aus Stettin (obwohl nicht nur von dort) wegschaffte und polnische Werke und Büchersammlungen aus Museen und Bibliotheken in Zentralpolen holte. Erst viele Jahre später begann der Rückgabeprozess, der bis heute andauert.

In den West- und Nordgebieten sollten die deutschen Aufschriften überall verschwinden, sogar auf den Friedhöfen und Bildern in den Kirchen. Der vollständig erhaltene Kreuzweg mit deutschen Inschriften in einer kleinen Kirche aus dem 14. Jahrhundert im Dorf Lubiesz (ehemals Lubsdorf) Kreis Wałcz (ehemals Deutsch Krone) ist deshalb also ein absolutes Unikum. Der Grund dafür war wohl die Tatsache, dass dieses Gebiet zum historischen Großpolen also zum deutsch-polnischen Vorkriegsgrenzgebiet gehört hatte, die Kirche immer katholisch gewesen war und vor 1945 im Dorf viele Polen gelebt hatten.

Noch Anfang Juni 1948 ordnete der Landrat von Gryfino (Greifenhagen) an, deutsche Aufschriften „von Gebäuden, Läden, Aschenbechern, Friedhöfen, Bierdeckeln, sofern diese keinen denkmalartigen Charakter haben,” zu entfernen, obwohl schon früher solche rigorosen Anweisungen existiert hatten. (17) Im Bericht der sozialpolitischen Abteilung des Wojewodschaftsamtes in Stettin für das zweite Quartal des Jahres 1948 kann man lesen: „Auf dem Gebiet der Stadt Stettin gibt es fast keinerlei deutsche Spuren mehr, außer auf den Friedhöfen, dort werden demnächst alle deutschen Inschriften entfernt werden.” (18) Dies war aber schwer zu bewerkstelligen, was der Rechenschaftsbericht für das erste Quartal des darauffolgenden Jahres bestätigt: „Eine Ausnahme sind die deutschen Friedhöfe, auf denen es immer noch deutsche Inschriften an den Grabsteinen gibt; diese zu entfernen, ist vorläufig aus den unterschiedlichsten Gründen nicht möglich, u.a. im Hinblick auf die heikle Frage des religiösen Kultus.” (19)

Die sogenannte Repolonisierungsaktion war rigoros und umfasste alles, was mit der Sprache zusammenhing. Der bereits zitierte Landrat aus Gryfino schrieb: „Man muss darauf achten, ob die deutsche Sprache im Privatleben und von den Jugendlichen an den Schulen verwendet wird. Sollte sich herausstellen, dass die Jugendlichen sich der deutschen Sprache bedienen, muss man ihre Eltern bestellen und sie darauf hinweisen, dass ein solcher Sachverhalt unannehmbar ist. (...) Gegenüber den Personen, die bei der anstößigen Tat ertappt werden, sich unbegründet und demonstrativ der deutschen Sprache zu bedienen, sowie gegenüber den Personen, die auf eine andere Weise die Repolonisierungsaktion sabotieren, muss man Strafanzeige (...) gemäß Artikel 18 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten erstatten. Über die Personen, die nicht aktiv tätig werden, sondern passiv die Kultivierung des Deutschtums tolerieren, ist mir persönlich zu berichten.” (20) Derartige Anweisungen erfolgten nach den entsprechenden Anordnungen der zentralen Behörden.

Kampf um die Erinnerung

Die erwähnten Maßnahmen sollten es erleichtern, auf diesen Gebieten eine polnische Kultur zu schaffen. Gleichzeitig wurde es verboten, die Erinnerung an die alte Heimat, insbesondere an die Ostmarken zu pflegen, die um jeden Preis aus dem gesellschaftlichen Gedächtnis getilgt werden sollte. (21) Man war der Meinung, diese Erinnerung könnte den Prozess der sogenannten Repolonisierung der westlichen und nördlichen Gebiete destruktiv beeinflussen. Die tradierte Erinnerungskultur wurde also bewusst zerstört.

Was Erinnerung bedeutet, sagte nach Jahren Ryszard Kapuściński, der seine Heimat im heute weißrussischen Pińsk hatte. Zitieren wir einen Ausschnitt seiner Rede, die er während der feierlichen Verleihung des Doktors honoris causa der Universität Breslau hielt. „Die Erinnerung ist ein unverzichtbares Element von Heimat. Sie ermöglicht es uns, an die Heimat zurückzudenken, selbst wenn wir den unmittelbaren Kontakt zu ihr verlieren. Solange und wo auch immer wir leben, bleibt die Erinnerung ein Teil unserer Identität, unser Identifikationszeichen. Dies hat heute einen besonderen Wert, denn für viele Menschen war ihre Stadt, ihre Region, ihre Heimat eine Art Schutzschild, eine Nische, ein begehrter Schutz gegen die sprunghaften Fortschritte der alles nivellierenden Globalisierung.“ (22)

Die Erinnerung an das „private Vaterland“ wurde zu Hause gepflegt. Bis Ende der 1980er Jahre war sie aus dem öffentlichen Raum ausgeschlossen. In den West- und Nordgebieten wollte man einen neuen Bürger schaffen, frei von allen Bindungen an das Vergangene. 1960 schrieb Feliks Fornalczyk, ein damals bekannter und geschätzter Literaturkritiker aus Posen, der eine Zeitlang in Stettin wohnte: „Wir sollen daran denken, dass die Westgebiete zur Brutstätte eines neuen, energischen Typs eines Polen geworden sind. Dazu hat eine Reihe von Faktoren beigetragen, die in den anderen Gegenden unseres Landes in solchem Ausmaß nicht vorkommen. In den Westen begaben sich meistens die jüngsten, mutigsten und energischsten Elemente, die dort die einzigartige Chance bekamen, in kurzer Zeit ihre materielle und gesellschaftliche Position zu sichern. (...) In einigen Jahren wird dies großartige Früchte für das ganze Land tragen. Aus den westlichen Grenzgebieten kommt eine Welle von jungen, energischen, ausgebildeten und begabten Menschen nach Zentralpolen zurück. Und das wird sehr nützlich sein.“ (23)

Das war die offizielle innenpolitische Strategie der Volksrepublik Polen. In den West- und Nordgebieten war sie bis zu einem gewissen Zeitpunkt verhältnismäßig leicht durchzuführen, denn es gab nur wenige Bewohner, die seit Generationen mit diesem Land verbunden waren: nur die sogenannten dort geborenen Autochthonen, hauptsächlich in der Oppelner Gegend, in Kaschubien und im Ermland. Sie hatten nur unter der Bedingung im Nachkriegspolen bleiben dürfen, dass sie eine Treueerklärung gegenüber der polnischen Nation abgaben und sich einem Verifikationsprozess unterzogen. Konnten sie ihre Bindungen an das Polentum, an das ideologische Vaterland nicht nachweisen, wurden sie nach Deutschland ausgesiedelt.

Ausharren und Anpassen

In den ersten Nachkriegsjahren mussten sich die Ansiedler an die neuen Bedingungen anpassen. Über jene, die das nicht schafften, geben die Archive wenig Auskunft, so als hätte es sie nicht gegeben. Einer der Ansiedler schrieb in einer Beschwerde über seine Nachbarn: „Ich weise darauf hin, dass meine Mitbewohner sich für den Hof überhaupt nicht interessieren und dort gar nichts machen (...), wahrheitsgemäß muss ich aber sagen, dass sie (...) vom Hof nichts wegbringen und nichts veräußern.” (24) Es ist unbekannt, wie viele das waren. Aber man weiß, dass viele Bewohner dieser Gebiete ihre Häuser und Wohnungen sehr lange nicht renovierten. Das hatte nicht nur ökonomische Gründe.

In den Briefen der ersten Ansiedler wird die Dauer der Anwesenheit bezeichnenderweise aufgewertet. Wenn sie sich an die Behörden wandten, um eine Streitfrage für sich positiv zu lösen, betonten sie, wie lange sie schon hier seien („Ich bin hier seit langem”; „Ich bin der erste Pionier.”) (25), das sollte ihr Anrecht auf Grund und Boden, Haus oder Wohnung bestätigen. Im April 1949 richteten einige Landwirte aus Moryń (Mohrin) ein Schreiben an die örtlichen Behörden. Sie baten, ihnen einen Garten zuzusprechen, und argumentierten so: „Zum einen aufgrund dessen, dass wir von hier sind.” (26)

In den ersten Jahren informierten die lokalen Ämter in ihren Berichten darüber, dass die Menschen aus den neuen Gebieten nach Zentralpolen flüchteten. Aber oft gab es auch Hinweise dafür, dass diejenigen, die blieben (oder nicht wussten wohin, da ihre Höfe sich jenseits des Bug befanden), das „ihre“ schnell verteidigten. Ein Ansiedler schrieb: „Ich verbleibe in der Hoffnung, dass mein Gesuch positiv erledigt wird, weil ich die vier Hektar mit meinem eigenen Inventar versehen und mein Saatgut eingesetzt habe.“ (27) Die Ansiedler rechneten mit dem Schutz des Staates bzw. sie forderten einen solchen Schutz. Sie hatten Angst vor den sowjetischen Truppen und es kam vor, dass sie aus deren Stationierungsgebieten flohen. Eine ernsthafte Lage entstand im Oktober 1947 in Trzebiatów. Ein Vertreter des Polnischen Westvereins schrieb in seinem Bericht, von den dortigen 6.000 Einwohnern seien nur 2.000 geblieben. Er betonte, die Stadtbewohner zeigten ihre „harte Pionierhaltung des Ausharrens in Trzebiatów“, obwohl sie unter „ständiger Angst leben” (28), die auf die Willkür der sowjetischen Truppen zurückzuführen sei.

Es gab auch Angst vor der Rückkehr der Deutschen und vor dem Ausbruch eines dritten Weltkrieges. Unter solchen Bedingungen hofften die Ansiedler auf eine starke Staatsmacht, die ihnen Sicherheit garantierte. In einer Beschwerde lesen wir: „Als Repatriant ... wurde ich angesiedelt ... zusammen mit meiner Familie, die aus deutschland (sic!) zurückkehrte und sich selbst ansiedelte.” (29) Die Menschen erwarteten Hilfe unter tatsächlich dramatischen Umständen. Ein Ansiedler schrieb: „Ich lebe unter schwierigen Bedingungen, da meine eigene Landwirtschaft (...) außerhalb der Staatsgrenzen liegt und ich nicht dahin gelangen kann.” (30)

Es fiel also leicht, die staatliche Politik in diesen Gebieten durchzusetzen. Die Herrschenden nutzten das für ihre Propaganda und hantierten mit dem „deutschen Schreckgespenst” (31). Zitieren wir noch einmal Ryszard Kapuściński: „Ein Mensch, der durch eine Schicksalsfügung in einem neuen und unbekannten Ort landet, fühlt sich für gewöhnlich eine lange Zeit unsicher und fremd. Es braucht viele Jahre, um sich dort einzuleben. Oft stellt sich diese Symbiose niemals ein, und das Gefühl von Fremdheit oder gar Feindschaft bleibt vorherrschend und dauerhaft.” (32) Zur Bestätigung dieser Worte kann man die Äußerung des stellvertretenden Stadtpräsidenten von Stargard in den 1990er Jahren heranziehen. 1945 war er als zweijähriges Kind zusammen mit seinen Eltern nach der Flucht aus Zbaraż in Stargard angelangt. Jahrzehnte später schrieb er im Vorwort der Dokumentation der Konferenzmaterialien „Das alte Stargard. Die Stadt und seine Einwohner” folgendes: „Ich weiß, dass die Ansiedlung in dieser Stadt im Bewusstsein der Generation meiner Eltern durch Vorläufigkeit, Ängste und Unruhe geprägt war. Sie fühlten sich eine sehr lange Zeit, manchmal sogar bis zum Ende ihrer Tage, nicht zuhause. Das Trauma der Vertreibung ist langandauernd. Daher konnten auch die Deutschen, die die Stadt verlassen hatten, diesen Stand der Dinge nicht akzeptieren und kultivierten lange die Vorstellung der Rückkehr. Diesen Teufelskreis durchbrachen erst die nachfolgenden Generationen von Deutschen und Polen. Langsam reifte die Erinnerung an die verlorenen Orte und die Achtung für die Erinnerung jener, die hier ansässig waren. Bewusst wurde die Notwendigkeit, die historische Wahrheit zu bewahren und sich vor den Fallen des Nationalismus zu hüten. Solche Gedanken verdrängten auf eine natürliche Weise die fest eingefahrenen Phobien, Vorurteile, Abneigungen oder gar den Hass.” (33)

Erste Veränderungen

Der Krieg ging vor 62 Jahren zu Ende. Die Aussiedlung der deutschen und die Ansiedlung der polnischen Bevölkerung dauerte bei unterschiedlicher Intensität fast bis zum Ende der 1950er Jahre. 1958 kam es zur zweiten Phase der Repatriierung von rund 400.000 Menschen aus den polnischen Ostgebieten. Es kam auch noch zu Ausreisen von Deutschen, u.a. im Rahmen der Familienzusammenführung. Unterdessen verstärkten sich die Bindungen der neuen Einwohner an das neue Land, und auch die gesellschaftlichen Bande wurden enger. Im Zuge der „Erneuerung nach dem Oktober 1956“ wurden nach und nach regionale Kulturvereinigungen eingerichtet, die allerdings restlos der zentralen Führung, meistens mit Sitz in Warschau, unterstanden. Die regionale Bewegung intensivierte sich, in den West- und Nordgebieten bestand ihr Ziel darin, die historischen und gegenwärtigen Bindungen des Landes an Polen zu betonen. Der Prozess ihrer Repolonisierung war im Gange.

Aus offensichtlich objektiven Gründen war es notwendig, sich um das materielle Kulturerbe (ohne es so zu bezeichnen) zu kümmern. Manche Objekte (z.B. das Schloss in Stettin) mussten wiederaufgebaut, Dokumente, Bibliotheken, Musealbestände gesichert werden. Es gab Versuche, Kunstwerke und Archivalien zurück zu bekommen, die nach dem Krieg – manchmal auch in die Sowjetunion (34) – weggebracht worden waren. Aus dem öffentlichen Raum wurden nach wie vor die erkennbaren Spuren deutscher Kultur entfernt: Es galt, die deutschen In- und Aufschriften abzuschlagen bzw. mit Putz zu verdecken, die Grabsteine zu zerstören. Allmählich wandelte sich aber das Verhältnis der Bewohner zum vorgefundenen Erbe. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre etablierte sich nach und nach eine neue Bezeichnung des Stettiner Schlosses, das nicht mehr „Piasten-Schloss”, sondern Schloss der westpommerschen Fürsten genannt wurde. (35) Eine neue Literatur entstand, die man als Heimatliteratur bezeichnen könnte, in der sentimentale Beziehungen zu den neuen Gebieten aufgegriffen wurden. Deutsche Themen tauchten nun nicht mehr ausschließlich im Kontext des Kampfes gegen die Deutschen auf, so zum Beispiel im Roman Ryszard Liskowackis Gewissenserforschung, in dem die Figur eines verwaisten und im ruinierten Stettin lebenden deutschen Jungen vorkommt, oder in den Gedichten von Joanna Kulmowa.

In den 1970er Jahren erschienen in Westpommern zahlreiche Publikationen über die Geschichte der Region, wobei die Geschichte bis 1945 immer noch ziemlich vernachlässigt und die spätere Zeit viel ausführlicher behandelt wurde. Es entstand eine polnische Geschichte der West- und Nordgebiete. Die Ereignisse vom Dezember 1970 in Stettin und an der Küste wurden für die Integration und die gesellschaftliche Identität zu einem Wendepunkt.

Nach 1945 integrierten sich die Ansiedler zunächst im Rahmen ihrer landsmannschaftlichen Bezüge, insbesondere in den Orten, in denen ganze Dörfer aus dem Osten bzw. Einwohner einer Stadt (wie die Lemberger in Breslau) angesiedelt worden waren. Die Auflösung dieser traditionellen und ihre Ersetzung durch neue Bindungen geschah infolge umbruchartiger Generationsereignisse. Anfänglich war es die Staatsmacht, die derartige Ereignisse, wie z.B. das Stettiner Treffen „Wir halten Wache an der Oder” (1947) oder die späteren „patriotischen Manifestationen” zu organisieren versuchte. Aber es kam auch zu spontanen gesellschaftlichen Demonstrationen, wie zum Beispiel zur Unterstützung von Mikołajczyk während des genannten Treffens von 1947, zu antisowjetischen Unruhen 1951 und dann zu den Revolten der Jahre 1956, 1968, 1970 usw. Schließlich entstanden auch Voraussetzungen für eine Diskussion über Heimat, über die „kleinen Vaterländer“, über die „privaten Vaterländer” und auch über ihr Verhältnis zu dem großen, „ideologischen Vaterland“ (36) bzw. dem öffentlichen, ideologisierten und propagandistisch geprägten Vaterland (Jerzy Bartmiński) (37).

Die Aneignung: Heimat oder mała ojczyzna

Wenn man heute in Polen über mała ojczyzna spricht, wird das dem deutschen Begriff Heimat (38) gleichgesetzt. Anders gesagt bedeutet Heimat dasselbe wie mała ojczyzna, so z.B. bei Leszek Szenborn aus dem niederschlesischen Ziębice (früher Münsterberg) in seinem Beitrag Wozu brauchen wir Kenntnisse über die Geschichte der Stadt? Der Autor schreibt: „In der deutschen Sprache gibt es zwei Begriffe, die das polnische ojczyzna wiedergeben: das Vaterland (Land der Väter) und die Heimat als Geburtsort und vor allem als Ort der Kindheit, in dem wir zuhause sind.” (39) „In unserer Heimat sollten wir zu verstehen versuchen, wie das Vergangene unsere Gegenwart geformt hat. Die heutigen Probleme unserer Region kann man ohne gutes und wohlwollendes Geschichtswissen nicht wirklich verstehen. Wir sollten uns bemühen zu verstehen, was unsere Stadt für all diejenigen war und ist, die hier ihre Heimat hatten. Die Wahrheit über unsere Stadt und das Verständnis von der Vielfalt der Kulturen sind unentbehrlich, um sie in die Geschichte Schlesiens und auch Polens einordnen zu können, insbesondere im Hinblick auf den sich vollziehenden Prozess der europäischen Integration.“ (40)

Das Museum in Stargard Szczeciński (früher Stargard) veröffentlichte 1999 einen deutsch-polnischen Katalog zur Ausstellung alter Ansichtskarten, der mit dem folgenden Titel versehen war: Mała Ojczyzna – Wczoraj i dziś. Kleine (sic!) Heimat – Gestern und heute. Im Vorwort schrieb der damalige Stadtpräsident Kazimierz Nowicki, dass das Projekt „einen wirklichen Beitrag zu dem natürlichen nachbarschaftlichen Integrationsprozess von Polen und Deutschen leistet, die mit Pommern historisch und nicht selten persönlich, durch die Schicksale ihrer Familien, verbunden sind. Es ist die Aufgabe unserer Generation wie auch der nächsten Generationen von Menschen, die heute auf beiden Seiten der Oder leben, in zwei verschiedenen Ländern, aber aus einer und derselben historischen und geografischen Landschaft stammen, ein neues gemeinsames ‘pommersches’ Bewusstsein zu entwickeln und die Stereotype und Vorurteile zu überwinden.“ (41) Der Autor ist offensichtlich davon überzeugt, dass das Verhältnis zur Heimat, Deutsche und Polen, damalige und heutige Einwohner von Stargard verbindet. Die einen wie die anderen betrachten Stargard als ihren eigenen Ort.

Die Begriffe Heimat und mała ojczyzna werden nicht nur in Hinsicht auf die West- und Nordgebiete gleichgesetzt. Jolanta Wewiurska, die ihr Projekt „Die Gegend um Sanok – meine Heimat“ vorstellt, schreibt: „Unseren Begriffen ojczyzna ideologiczna (ideologisches Vaterland) und ojczyzna prywatna (privates Vaterland) entsprechen in der deutschen Sprache die Begriffe Vaterland und Heimat.“ (42) Ähnliches sagte Marek S. Szczepański, Soziologe an der Schlesischen Universität, auf dem Weltkongress der Tschenstochauer 2003: „Am Rande soll daran erinnert werden, dass die von Stanisław Ossowski entwickelten Begriffe ojczyzna prywatna (privates, kleines Vaterland) und ojczyzna ideologiczna (ideologisches, großes Vaterland) ihren Ursprung im Deutschen haben. Gerade in dieser Sprache gibt es das terminologische Duo Heimat – Vaterland, das präzise das Wesen des Unterschieds wiedergibt. (...) Der Begriff Heimat stammt höchstwahrscheinlich vom altgermanischen heimskepija, das den ursprünglichen Zusammenhang zwischen Heim und Kosmos, d.h. der planetarischen Zivilisation bedeutet.“ (43)

„Meine Heimat ist meine Stadt, mein Dorf. Es sind sowohl die auf wissenschaftlicher Forschung basierende Geschichte des Ortes, als auch die von Generation zu Generation überlieferten Gebräuche, Geschichten und Legenden”, schreibt Małgorzata Wietecha in ihrem Buch Legenden und Überlieferungen in der Entwicklung der Heimatbindung, das sich an Vorschullehrer und Lehrer der Grundstufe im Oppelner Schlesien richtet. (44) Die Autorin unterscheidet hier bezeichnenderweise zwischen kleinem und großem Vaterland: „Ich habe ein schönes, großes Vaterland / Und mein eigenes kleines Vaterland; // Das erste ist mein Land, / das zweite – meine Stadt. // Die Weichsel durchquert das erste / und die Tatra gibt ihm die Krone // Im zweiten fließt stolz die Oder / und die Stadt rühmt sich ihrer Denkmäler.” (45)

Diese Verbrüderung zwischen der polnischen mała ojczyzna und der deutschen Heimat führt zu Protesten der konservativen und rechten Publizisten und Aktivisten. Sie meinen, in der polnischen Tradition sei die Kategorie der Nation primär, die sich mit der Idee der Freiheit und der nationalen Solidarität verbindet. So schrieb Zdzisław Krasnodębski in seinem Essay Über die postpatriotischen Zeiten (46): „Patriotismus ist die Liebe zum Vaterland. Aber was ist das Vaterland, die Patria? Das Territorium? Das hat sich im Falle Polens allzu oft geändert. Die Gesamtheit der Einwohner des Landes, in dem ich geboren wurde? Auch nicht. Es fällt schwer, patriotische Gefühle gegenüber einer Bevölkerung zu entwickeln. Ist es also der Staat in der gegebenen Form? Erst recht nicht, dann hätte man ja tatsächlich einst für Volkspolen arbeiten und sich zum Patriotismus eines Mieczysław Rakowski oder anderer derartiger Ideologen bekennen müssen. Einige sind der Meinung, es solle das kleine Vaterland sein und nicht das große, ideologische. Je enger also, desto besser? Warum? Ich teile die Begeisterung polnischer Intellektueller für das schöne deutsche Wort Heimat nicht. Mir reicht völlig der Begriff strony rodzinne (die Gegend aus der meine Familie stammt). Darin liegt ein seltenes Stück polnischer Überlegenheit über Deutschland: das Fehlen der sentimentalen und engen Heimatideologie.” (47)

Zitieren wir eine extreme Äußerung des nationalkatholischen Publizisten Krzysztof Janiewicz: „In der polnischen Publizistik ist immer öfter zu beobachten, wie die polnischen Medien die begriffliche Figur ‘kleines Vaterland’, ‘privates Vaterland’ o. Ä. lancieren. Das sind keinerlei Begriffe des polnischen nationalen Denkens. Ich bin ihnen unlängst begegnet: mit besonderer Vorliebe werden sie von den Europaenthusiasten und Globalisten verschiedener Couleur benutzt. Der Begriff der ‘kleinen Vaterländer’ ist eine Übersetzung (...) eines der deutschen Sprache und der deutschen Philosophie entnommenen Begriffs, dem das Wort Heimat entspricht. Aus historischen Gründen haben gerade die Deutschen diese zwei Begriffe: Heimat und Vaterland. Das polnische Wort ojczyzna hat eine völlig andere Bedeutung und Gewichtung als der deutsche Begriff Heimat und ist dem deutschen Wort Vaterland näher. (...) Dem deutschen Wort Heimat entsprechen in der polnischen Sprache die Stadt, das Dorf oder die Gegend, aus der meine Familie stammt (...). Das ist ein Ort in meinem Vaterland, in dem ich geboren wurde, mit dem ich mich emotional besonders verbunden fühle. Er ist für mich nicht irgendein kleines Vaterland, wie es die Europaenthusiasten haben wollen. Ich wurde in Krakau geboren und hier wuchs ich auf, Krakau ist meine heimische Stadt, aber nicht mein Vaterland. Das Symbol meines Vaterlandes ist der weiße Adler und nicht das Stadtwappen von Krakau. Werde ich in der Fremde gefragt, wer ich bin, dann antworte ich nicht: ich bin Krakauer, sondern: ich bin Pole. Wenn ich den Begriff Vaterland in territorialer Hinsicht benutze, denke ich nicht an die Krakauer Gegend, sondern an die polnischen Gebiete, an ganz Polen und nicht nur an einen seiner Teile – nämlich Krakau.” (48)

Heimat – Freiheit

Der Begriff mała ojczyzna macht in Polen Karriere. Dazu trugen die politischen Umwälzungen nach 1989 bei: die Entwicklung der lokalen Selbstverwaltung, die Tätigkeit der Thorner Stiftung der kleinen Vaterländer, die Suche nach der lokalen Identität. In den West- und Nordgebieten spielten zudem die vielen Jahre der Nachkriegsintegration sowie die neuen deutsch-polnischen Kontakte nach 1990 eine wichtige Rolle, darunter auch die mit den Organisationen der ehemaligen deutschen Bewohner. Nicht zuletzt ist dies auch eine Reaktion auf die Globalisierungsprozesse.

Die demokratische Transformation in Polen nach 1990 fiel mit den Anfängen der gesellschaftlichen Aktivitäten derjenigen zusammen, die bereits in den neuen Gebieten geboren worden waren. Bartłomiej Sochański, Stadtpräsident von Stettin in den Jahren 1994-1998, betonte mit Genugtuung, er sei der erste polnische Stadtpräsident von Stettin, der dort geboren wurde und deshalb sagen kann: „Das ist meine Heimatstadt.” Sochański betonte, dies habe ihm die Gespräche mit den deutschen Vertriebenen erleichtert.

In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre erschienen in der Stettiner Presse zum ersten Mal Bilder des deutschen Stettin. Zu einer richtigen Mode wurden derartige Publikationen nach 1989. Überall begann man die deutsche Geschichte dieser Gebiete zu entdecken, die im gesamtpolnischen Zusammenhang ein Zeichen ihrer Andersartigkeit ist. Aber auch die polnische Geschichte, darunter die der Ansiedlung, wird in den letzten Jahren zunehmend dokumentiert. Ein gutes Beispiel ist der Zentralfriedhof in Stettin, auf dem die erhaltenen deutschen Grabstätten renoviert werden, sich aber auch zahlreiche Denkmäler befinden: für die Opfer von Katyń, für die nach Sibirien Verbannten, für die Heimatarmee, für die polnischen und sowjetischen Soldaten, die während der Berlinoffensive zu Ende des Zweiten Weltkrieges gefallen sind, für die Häftlinge der Konzentrationslager. Es gibt Orte, wo sich alle treffen können, wie die Kirche in Chojna oder die in Danowo (Jakobsdorf) bei Goleniów (Gollnow), die Joanna Kulmowa und Jan Kulma beschreiben: „Es können hier immer andere Menschen leben, aber bestimmte Plätze müssen bleiben.“ (49)

Die polnischen „Heimaten“ gewinnen immer mehr eigene Identität, wie zum Beispiel Witnica (ehemals Vietz) im Lebuser Land; diesem Ort wurde sogar eine Dissertation gewidmet. (50) In Polen dauert die intensive Suche nach der Bedeutung der „Heimaten“ an. Bisher hing dies hauptsächlich mit dem Entdecken ihrer Geschichte zusammen. Da die konservativnationalen Parteien in der letzten Zeit in Polen an Bedeutung gewonnen haben, wird nun die gesellschaftliche Heimatbewegung in politische Zusammenhänge gedrängt.

In der Einleitung zum Sammelband Was ist Heimat?, der vor einem Jahr erschien, lesen wir: „Das ist nicht mehr allein die ‘ortsbezogenste Umwelt des Menschen’, wie Stanisław Ossowski feststellte. Heute ist Heimat vor allem eine Quelle und eine Aufgabe für die Zivilgesellschaft, die auf solchen Werten wie Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Selbstverwaltung, Gemeinwohl und Dialog gründet; daraus resultieren Aktivitäten, die auf Bewahrung und Entwicklung dessen zielen, was die Menschen am meisten zu schätzen wissen.” (51)

18./19.11.2006, Collegium Polonicum (Konferenz: Was ist Heimat?)

Aus dem Polnischen Ewa Czerwiakowski


(1) Stanisław Ossowski schrieb, die Region habe mit dem kleinen, dem privaten Vaterland nichts zu tun, weil sie eine Art „ideologisches Vaterland” sei. Vgl.: S. Ossowski, Zagadnienie więzi regionalnej i więzi narodowej na Śląsku Opolskim [Die regionalen und nationalen Bande im Oppelner Schlesien], in: O ojczyźnie i narodzie [Über Vaterland und Nation], Warszawa 1984. S, 74.

(2) Vgl.: Grzegorz Odoj, Lokalność jako ojczyzna – w kręgu pojęć podstawowych [Das Lokale als Heimat – Grundbegriffe], in: Dziedzictwo kulturowe Ziemi Suskiej i Podbabiogórza. Materiały z konferencji: Ochrona lokalnej i regionalnej tożsamości kulturowej a edukacja regionalna [Das Kulturerbe im Suser Land und der Gegend von Babia Góra. Dokumentation der Konferenz zur Bewahrung lokaler und regionaler kultureller Identität und die Regionalpädagogik], hrsg. R. Lisowski, M. Peć, A. Peć, Kraków 2005.

(3) Das Buch wurde 1946 vom Organisationskomitee der gesamtpolnischen Manifestation Wir halten Wache an der Oder verlegt. Helsztyński hielt sich nur einige Monate in Stettin auf und arbeitete später

(4) In das Jahr 2007 fällt der 60. Jahrestag der Aktion Weichsel, im Rahmen derer rund 150.000 Ukrainer, polnische Staatsbürger, aus der Bieszczady-Gegend im Südosten Polens zwangsausgesiedelt und im Nordwesten Polens, in den nach dem Zweiten Weltkrieg angegliederten Gebieten angesiedelt wurden. Die offizielle Begründung dieser Deportationen war die These, man müsse dem ukrainischen Untergrund, d.h. der Ukrainischen Aufständischen Armee, deren Ziel eine unabhängige Ukraine war, ihre Basis entziehen und sie zerschlagen. 1947 fand in der Bieszczady-Gegend ein regelrechter polnisch-ukrainischer Krieg statt, eigentlich ein Bürgerkrieg zwischen Staatsbürgern desselben Staates.

(5) Renata Korek, O czym marzą Ukraińcy w Trzebiatowie [Wovon träumen die Ukrainer in Trzebiatów], in: Trzebiatów – spotkania pomorskie [Trzebiatów – pommersche Begegnungen], hrsg. Janina Kochanowska, Wołczkowo 2006, S. 119. In Żdynia (Zdynia), einem Dorf im Kreis Gorlice (Ostbeskiden), werden jährlich Treffen der Lemken organisiert, der ruthenischen Bevölkerung, die den Ukrainern nahe steht.

(6) A.a.O.

(7) Instrukcja ramowa o osadnictwie i Ruchu Spółdzielczo-Parcelacyjnym [Rahmenrichtlinien zur Ansiedlung, zur Genossenschaftsbewegung und der Aufteilung von Grund und Boden]., Poznań 1946, S. 11 (vervielfältigtes Manuskript).

(8) APSz. SPSz 82, Manuskript, o.J.

(9) Osadnik Wojskowy [Der Militäransiedler] 1945, Nr. 3, APSz, SPCh 28.

(10) Piotr Zaremba, Dziennik 1945 [Tagebuch 1945], Szczecin 1996, S. 64.

(11) APSz, SPSz, Sign 81, Manuskript, 28.08.1945.

(12) APSz, SPCh 93, p. 227.

(13) APSz SPCh 89, p. 305.

(14) Vollständige Dokumentation: AP Sz SPCh 89, p. 305-337.

(15) Pfarrer Stanisław Kozierowski (1874-1949), Professor an der Adam-Mickiewicz-Universität in Posen, Historiker, Sprachwissenschaftler, spezialisiert in der Onomastik, Verfasser des unvollendeten Atlas nazw geograficznych Słowiańszczyzny Zachodniej [Atlas der geografischen Namen des westlichen Slawentums]; der Band zu Westpommern und Rugien erschien 1934, zweite Auflage 1945, und diente als Grundlage der neuen Namensgebung der Orte nach dem Zweiten Weltkrieg. Pfarrer Kozierowski war Hauptfigur des Ersten Onomatologie-Kongresses in Stettin (11.-13.9.1945), auf dem die Regeln der sogenannten Repolonisierung der Ortsnamen festgelegt wurden. In Stettin wurde eine Straße nach ihm benannt.

(16) Andrzej Chludziński, Nazwy ulic Trzebiatowa [Die Straßennamen in Trzebiatów], in: Trzebiatów – spotkania pomorskie [Trzebiatów – pommersche Begegnungen] 2005, hrsg. Janina Kochanowska, Wołczkowo 2006, S. 60.

(17) APSz GWŻ 5, bns.

(18) APSz, UWS 835, S. 57.

(19) APSz UWWS 835, S. 105. Die deutschen Inschriften und Grabsteine wurden von den Friedhöfen nie vollständig entfernt, obwohl es später noch viele solche Aktionen gab. Heute entstehen auf den ehemaligen deutschen Friedhöfen Lapidarien. Die erhalten gebliebenen Friedhöfe werden in Ordnung gebracht. Oft sind das spontane Initiativen von unten.

(20) APSz GWŻ 5.

(21) Das krasseste Beispiel war die Eintragung in den Personalausweisen der Ostpolen, sie seien in der UdSSR geboren worden.

(22) Ryszard Kapuściński, Skąd pochodzimy? Kim jesteśmy? Do kogo możemy się odwołać? [Woher kommen wir? Wer sind wir? Auf wen können wir zurückgreifen?] in: Spotkania Wrocławskie [Breslauer Begegnungen] 2002, Nr 1.

(23) Feliks Fornalczyk, Szansa Polski Zachodniej, [Die Chance Westpolens], in: Tygodnik Zachodni, 1960, Nr 4., S. 3.

(24) APSz PO PUR Białogard 1, npg, Brief vom 26. Februar 1946.

(25) APSz UWS 3376 p. 434, Brief vom 5, Mai 1949.

(26) APSz GRN Moryń 6 npg, Manuskript.

(27) Brief vom 29. Juli 1946. APSz PO PUR Gryfice 7 bns.

(28) APSz PZZ 21. Die Menschen baten, in Orten angesiedelt zu werden, in denen sie von den sowjetischen Truppen unbehelligt bleiben konnten. (PO PUR Gryfice 7).

(29) APSz UWS 3373, Brief vom 10. Oktober 1947.

(30) Brief vom 27. Dezember 1946; ASPSz SPSz 86 bns.

(31) Als es z.B. in Stettin zu den sog. antistaatlichen und antisozialistischen Ausschreitungen kam (1956, 1968, 1970, 1976), bedienten sich die Machthaber der angeblichen deutschen Gefahr, um die Stimmung zu beruhigen. Man sprach von den Revisionisten, den Landsmannschaften, den revisionistischen Tendenzen in Westdeutschland. Im Fernsehen wurden Kriegsfilme oder die „Kreuzritter” nach dem gleichnamigen Roman von Henryk Sienkiewicz ausgestrahlt. So war es grundsätzlich bis zum Ende der 1980er Jahre. Die angebliche deutsche Gefahr wird übrigens auch heute von manchen politischen Gruppierungen beschworen.

(32) Ryszard Kapuściński, a.a.O.

(33) Jan Szut, Szanowni Państwo [Sehr geehrte Damen und Herren], in: Dawny Stargard i jego mieszkańcy [Das alte Stargard und die Einwohner der Stadt], Stargard 2000, S. 5.

(34) 1956 übergab die UdSSR Polen u.a. wertvolle mittelalterliche Skulpturen und die aus der Stettiner grafischen Sammlung stammenden Zeichnungen berühmter italienischer Künstler, der Brüder Tiepolo. Die Skulpturen und die Zeichnungen befinden sich heute im Stettiner Nationalmuseum.

(35) Die Bezeichnungen westpommersche Fürsten und das Fürstentum Westpommern sind keine historischen Namen. Sie wurden in der polnischen Nachkriegsgeschichtsschreibung verbreitet, weil man den gemeinsamen Ursprung von ganz Pommern betonen wollte.

(36) Die Begriffe: privates, persönliches und ideologisches Vaterland schlug Stanisław Ossowski in seiner klassischen Arbeit O ojczyźnie i narodzie [Über Vaterland und Nation] vor, Warszawa 1984.

(37) Jerzy Bartmiński: Polskie rozumienie Ojczyzny i jego warianty [Zum polnischen Verständnis des Vaterlandes und dessen Varianten], in: Pojęcie ojczyzny we współczesnych językach europejskich [Der Begriff des Vaterlandes in modernen europäischen Sprachen], hrsg. J. Bartmiński, Lublin 1993.

(38) Das heutige Verständnis dieser Begriffe und den Stand der entsprechenden Diskussion stellt Andrzej Denek dar in seinem Essay Synteza naczelnych wartości [Die Synthese der Hauptwerte], in: Regionalizm pomorski. Społeczny ruch regionalny wobec wartości narodowych [Pommerscher Regionalismus. Die gesellschaftliche Regionalbewegung und die nationalen Werte], Bd. 2, hrsg. Alicja Derbisz u. andere, Szczecin 2000.

(39) Vgl: www.ziebiceszenborn.republika.pl/historiamiasta.html

(40) A.a.O.

(41) Kazimierz Nowicki, Szanowni Goście [Verehrte Gäste], in: Mała Ojczyzna – Wczoraj i dziś. Kleine Heimat – Gestern und heute, hrsg. Jolanta Aniszewska, Sławomir Preiss, Museum in Stargard Szczeciński 1999, S. V.

(42) Jolanta Wewiurska, Prezentacja programu Ziemia Sanocka – moja mała ojczyzna, in: www.pcen.rzeszow.pl/gallery/albums/userpics/10002/Edukacja%20regionalna-referat.rtf

(43) Marek Szczepański, Powroty do mniejszego nieba. Mała Ojczyzna w oglądzie socjologicznym [Rückkehr zum kleineren Himmel. Heimat in soziologischer Wahrnehmung], in.: www.polonia,czestochowa.um.gov.pl

(44) Małgorzata Wietecha, Legendy i podania w kształtowaniu więzi z małą ojczyzną [Legenden und Überlieferungen in der Entwicklung der Heimatbindung], Opole 2006.

(45) A.a.O., S. 57.

(46) Ośrodek Myśli Politycznej, vgl.: www.omp.org.pl/index.php

(47) Zdzisław Krasnodębski, O czasach postpatriotycznych [Von postpatriotischen Zeiten], in: www.omp.org.pl/index.php

(48) Krzysztof Janiewicz, Małe Ojczyzny, www.naszawitryna.pl/europa_34

(49) Nach: Urszula Chęcińska, Z Wielgoszyc do Danowa. Literackie stacje i leśne tropy Joanny Kulmowej [Aus Wielgoszyce nach Danowo], in: Dzieje wsi pomorskiej. I Międzynarodowa Konferencja Naukowa [Geschichte der Dörfer in Pommern. Erste internationale wissenschaftliche Konferenz], Dygowo-Szczecin 2006.

(50) Maciej Dudziak, Mała ojczyzna w euroregionie: tożsamość kulturowa mieszkańców pogranicza polsko-niemieckiego (na przykładzie gminy Witnica) [Mała ojczyzna in der Euroregion: die kulturelle Identität der Bewohner des deutsch-polnischen Grenzgebietes am Beispiel der Gemeinde Witnica], Poznań 2003.

(51) Mała Ojczyzna. Kultura, edukacja, rozwój lokalny [Heimat. Kultur, Bildung, lokale Entwicklung], hrsg. Wiesław Theiss, 2005.

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