Wein und paradiesische Klänge

In den kommenden Tagen und Wochen werden in der polnischen Grenzregion zahlreiche Feste gefeiert. Der Spätsommer gilt auch im Nachbarland Polen als ideale Zeit zum Feiern. Entlang der Grenze stehen in den kommenden Wochen zudem Feste an, die von Deutschen mitveranstaltet werden, oder bei denen sie als Gäste herzlich willkommen sind.

Das frühere Kloster "Paradies" in der Nähe von Swiebodzin war schon immer eine Art polnisch-deutsches Projekt. Im Jahr 1230 vermachte Graf Mikolaj Bronisz sein Gut "Goscikowo" dem Zisterzienserorden, der daraufhin hier einen Stützpunkt errichtete. Seit 1952 werden in der barocken Anlage junge Polen zu katholischen Priestern ausgebildet. Und einmal im Jahr gibt es das kleine aber feine Festival "Musik im Paradies", bei dem Nachwuchsmusiker aus ganz Europa eine Woche ihr Können auf historischen Instrumenten darbieten. Mit einem Konzert, das einst für "August den Starken" komponiert wurde, der König von Polen und Kurfürst von Sachsen war, wird das diesjährige Programm heute um 19 Uhr eröffnet. Sein Reiz besteht auch darin, dass man zwei bis drei Konzerte an einem Abend für den Preis von nur 35 Zloty (weniger als zehn Euro) erleben kann. Für die Konzerte, die bis zum 28. August jeweils 19 Uhr beginnen, "gibt es an der Abendkasse immer noch Karten", versichert Hauptorganisator Cezary Zych.

In einer historischen Anlage, nämlich dem früheren Schloss von Tamsel (heute Dabroszyn) bei Küstrin, wird auch am morgigen Sonnabend gefeiert. Hier begeht Jutta von der Lancken, eine Berlinerin, die mit dem Enkel des letzten Schlossbesitzers verheiratet war, mit Freunden ihren 75. Geburtstag. Spontane Gäste, die ab 14 Uhr dabei sein wollen, sind gern gesehen, sollten aber eine kleine Spende für die Restaurierung des Cecilientempels im Schlosspark mitbringen.

Eine Woche später werden in Chojna bei Schwedt - dem einstigen Königsberg in der Neumark - die nun schon traditionellen "Tage der Integration" gefeiert. Höhepunkte dieser Begegnung zwischen früheren und heutigen Bewohnern der Stadt sind ein Ökumenischer Gottesdienst und ein Barockkonzert, die am 27. August um 11 beziehungsweise 18.30 Uhr in der Marienkirche stattfinden. Das prächtige Bauwerk war im letzten Winter des Zweiten Weltkriegs fast völlig zerstört worden, wurde jedoch seit 1990 von Polen und Deutschen wieder aufgebaut.

Vom 2. bis zum 4. September sind beim Internationalen Musikfestival in Frankfurt und Slubice gleich zwölf Blasorchester aus Deutschland, Polen und fünf weiteren Ländern zu Gast. Am ersten Septembersonntag werden die fast 1000 Beteiligten bei einer Musikparade über die Oder marschieren.

Wer ein traditionelles polnisches Erntedankfest erleben möchte, der sollte am Sonntag, dem 4. September, in das kleine Slonsk (Sonnenburg) bei Küstrin fahren. Dort geben am Nachmittag auch Musiker des Brandenburgischen Staatsorchesters ein Benefizkonzert in der Kirche, die einst dem Johanniterorden gehörte. Wer mit einem Bus von Slubice aus dorthin fahren will, sollte sich schon jetzt bei Karl-Christoph von Stünzner anmelden (Telefon: 033608 3373).

Wieder eine Woche später (am 10. und 11. September) kommen Freunde historischer Uniformen und Folkloremusik auf ihre Kosten. Dann finden in den Kulissen der einstigen Altstadt von Küstrin die Festungstage statt.

In Zielona Góra, dem einstigen Grünberg, wird dagegen mit dem Stadtfest "Weinlese" an die Winzertraditionen der niederschlesischen Kommune erinnert. Vom 10. bis 17. September an gibt es eine Woche lang viel Folklore und kulinarische Genüsse. Dazu übernimmt Weingott Bacchus acht Tage lang symbolisch die Geschicke der Stadt.

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Veröffentlichung/ data publikacji: 20.08.2011