Diese Nachbarschaft ist mit dem Auge zu bereisen

Im Berliner Gropiusbau: Eine wunderbar subjektive Ausstellung zu 1000 Jahren Kunst und Geschichte in Deutschland und Polen.
Seit Europa wieder zu hinken beginnt, nehmen Anstrengungen vor allem kulturpolitischer Art zu, dem Kontinent und seinen Nationen eine verbindende Melodie vorzuspielen - in der Hoffnung, so vielleicht könne das mangelnde gesamteuropäische Gemeinschaftsgefühl entstehen. Deutsch-französische und deutsch-polnische Schulbücher werden geschrieben; damit sollen Schüler lernen, sich jeweils in der anderen Nation zu spiegeln und das Trennende im Kopf überwinden. Dieses Bemühen ist löblich, aber auch gefährlich. Denn blickt man zu intensiv auf das Verbindende, droht das Gespür für das so lange Trennende und für die vielen Einzelheiten dieser Trennungsgeschichten verloren zu gehen. Und wenn gar die EU in Brüssel ein Museum plant, das dem vereinten Europa eine Gemeinsamkeitsgeschichte erzählen soll, dann graust es einem vollends: viel zu viel gute Absicht.
Souverän entkommt die im Berliner Martin-Gropius-Bau soeben eröffnete Ausstellung "Tür an Tür. Polen - Deutschland. 1000 Jahre Kunst und Geschichte" dieser Schmusefalle.

Vollständiger Text/ cały tekst: http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13623012/Die...
Veröffentlichung/ data publikacji: 24.09.2011