In Menschheitsgeschichte geprüft

Sie hätte sich vielleicht das Glück gewünscht, ein ereignisloses Leben zu führen. Nämlich Gedichte zu schreiben, einen kleinen Ruhm zu genießen, Krakau möglichst selten zu verlassen. Doch Wisława Szymborska erhielt 1996 den Literatur-Nobelpreis, das änderte alles. Das hob sie aus ihren polnischen Dichterkollegen heraus, erhob sie auch über jene Ehrungen, die sie bereits erfahren hatte, etwa den Goethe- und den Herder-Preis.

Also ist sie nach Stockholm gefahren und hat die erwartete Dankrede gehalten. Man sagt, es sei die kürzeste seit langem gewesen. Gewiss die am wenigsten eitle. Sie sagte, der Satz „ich weiß nicht“ sei ihr lieb und teuer. Sie rühmte den Prediger Salomo und sein Klagelied über die Eitelkeit allen menschlichen Strebens. Szymborska stiftete das Preisgeld für soziale Zwecke: Sie zog sich in ihre Stille zurück und hat weiter geschrieben. Wenige, doch großartige Gedichte. Aus dieser Stille erreicht uns nun die Nachricht ihres Todes.

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Veröffentlichung/ data publikacji: 03.02.2012