Zum Umgang mit jüdischen Mitbürgern in Heimatblättern der Vertriebenen am Beispiel Crossen

Als ich mein Gedicht mit dem Titel „Meine jüdischen Erinnerungen“ (1) dem Redakteur der Crossener Heimatgrüße (im folgenden CH) Hanns-Ulrich Wein im Jahr 1985 zur Veröffentlichung anbot, bekam ich folgende Antwort: „Ich bin der Meinung, dass ich in den ‚Heimatgrüßen’ das Unrecht, das unseren Crossener jüdischen Mitbürgern angetan wurde, nicht totgeschwiegen habe. So erfolgte der Hinweis, dass die Crossener Juden schon lange vor 1945 von ihren eigenen deutschen Landsleuten ‚vertrieben’ worden sind, im Rahmen der Veröffentlichung des Lebensbildes des inzwischen verstorbenen Herrn Salinger (San Francisco). [CH 2/75 , S. 3 ]. Das führte damals zu einem ziemlichen Wirbel. Herr Rudolf Zeidler [Herausgeber des Crossener Tageblatts bis 1945 ] schrieb einen empörten „Gegenartikel“, den er schließlich nur als Leserbrief veröffentlicht wissen wollte, den ich aber – das einzige Mal, dass ich die Veröffentlichung eines Leserbriefes ablehnte – nicht brachte. Daraufhin wurde dieser Text mit Hilfe unseres Heimatkreisbetreuers bei mindestens einem Treffen als Umdruck verteilt und entsprechend gegen mich polemisiert. Nun, das ist mittlerweile auch schon ‚Geschichte’.“ Salinger (2) ging noch rechtzeitig nach Schanghai und von dort 1945 nach San Francisco.

Im Mai 1989 entschloss sich Hanns-Ulrich Wein, das Gedicht doch abzudrucken: „Ihr Gedicht sehe ich zur Veröffentlichung vor zusammen mit einem Artikel über die Geschichte der Juden in Crossen. Für einen solchen Aufsatz habe ich schon einigen Stoff gesammelt. Ihr Gedicht passt thematisch gut dazu. Natürlich gibt es unter den Kreis-Crossenern auch unverbesserliche ‚Nazis’. Trotzdem hatte und habe ich keine Bedenken, das Thema in Tendenz-Übereinstimmung mit Ihnen anzufassen.“

Wein gab dem Gedicht eine andere Überschrift: „Es geschah in unserer Oderstadt“. Es stand jetzt am Ende eines Artikels [CH 1/90, S. 3-5 ], der eine Haupt- und zwei Nebenüberschriften hatte: Das Leben und Leiden der jüdischen Mitbürger / Landsleute, schon vom NS-Regime heimatvertrieben und teilweise in Gaskammern ermordet / Pogrome in Crossen bereits 1349 und 1573 – Zuwanderung von Osten und Berufserfolge ab 1840. H.-U. Wein und Richard Schulz (Pseudonym „d.z.“) waren die Autoren. Durch den historischen Schwerpunkt des Aufsatzes wurden die Schicksale und die konkreten Namen von Menschen hier verdrängt.

Ich kann nur exemplarisch über die Heimatblätter der Vertriebenen von Crossen/Oder berichten: Das betrifft die Crossener Heimatgrüße (1949 bis 1968: Redakteur Karl Wein; 1969 bis 1995: Redakteur Hanns-Ulrich Wein) und das Crossener Heimatblatt (seit 1996: Redakteur Fritz Paschke). In den beiden Heimatblättern ist natürlich noch öfter etwas über die Juden in Crossen erschienen. So schrieb Rudolf Zeidler in den CH 11/58, S. 3-4: „ … von unseren jüdischen Mitbürgern“. Da ist von „Fellchen-Bernhardt“ die Rede, der mit einem klapprigen Handwagen Felle zu kaufen suchte – der vielleicht Ärmste. Einen Antisemitismus gab es – nach Zeidler – vor der Nazizeit nicht, „Jude“ sei zunächst kein Schimpfwort gewesen. Viele jüdische Söhne hätten zu Zeidlers Schulfreunden gezählt, darunter H. Salinger. In den CH 6/54, S. 4 berichtet Zeidler, dass die Juden in Crossen „so ziemlich den gesamten Textil- und Getreidehandel in Händen hatten, während Handwerk ihrer Rasse nicht lag“. Die Verwendung des Begriffs der jüdischen „Rasse“ und die Aussage über ihre Stellung zum Handwerk – zeigen, wie hier und an anderer Stelle die Nazi-Propaganda in der Sprache und Aussage weiterwirkt. Zeidler selbst spricht nämlich davon, die Zweckpropaganda gegen die Juden sei nach 1933 „unter Druck“ auch im Crossener Tageblatt und im Crossener Kreiskalender üblich gewesen; beide Zeitungen hatte er selbst herausgegeben. Und Karl Wein war an beiden Produkten als Redakteur oder Schriftleiter beteiligt. Bei den Trümmern des zerstörten Coventry sei der Name zum Begriff geworden, schreibt Wein 1942 zu entsprechenden Bildern. Später sei Crossen ausradiert worden, heißt es in einem Bild-Text [Crossen-Broschüre, 1959 ]. 1941 schreibt Wein im Crossener Kreiskalender „Von den Juden in Crossen“ – ein ausgesprochen übler Text!, auf Druck geschrieben?

Zeidler und Salinger schreiben Erinnerungsartikel und erwähnen zahlreiche Namen jüdischer Bürger, deren Spuren verfolgt werden können: CH 6/54, S. 3-5, 4/74, S. 1-3. Es ist jedoch ein Verdienst Hanns-Ulrich Weins, dass er den Spuren des in Crossen tätigen Gymnasiallehrers Moses Calvary (1874-1944) nachgegangen ist, der als aktiver Zionist in der jüdischen Jugendbewegung prägend tätig war. 1922 war er mit seiner Familie nach Palästina ausgewandert und starb dort nach fruchtbarem Wirken als „Israels Pestalozzi“ [CH 4/95, S. 15-16 ]. Karl Wein hatte 1941 in dem schon erwähnten Aufsatz geschrieben: „Ja, es kam so weit, dass am Crossener Progymnasium längere Jahre hindurch ein jüdischer Studienrat unterrichtete“. Für mich ist hingegen das Zeugnis Klabunds, seines Schülers, wichtig: „Calvary war der einzige, mit dem sich standesgemäß verkehren ließ“ (1911). Frau Anneliese Lommatzsch schreibt [CH 6/95, S. 43]: „Moses Calvary übte mit uns auf dem Schlosshof [in Crossen] Volkstänze für das Sonnenwendfest 1912 auf den Rusdorfer Höhen. Ich war dabei.“

Die Mitarbeit der Leser kann sehr fruchtbar werden, wenn sie sich im Sinne der Zeitzeugen erinnern. Hans Gaertig (* 1924) schreibt im Crossener Heimatblatt 3/2002: „Mit meiner Mutter kam ich auf dem Weg von der Bismarckstraße zur Stadt an den noch rauchenden Trümmern der Synagoge vorbei. Wir wurden von einem älteren, entfernt verwandten Fräulein angehalten. Sie wohnte im Gohrschen Hause, war schwerhörig und kleinwüchsig. ‚Mariechen’ sagte sie erregt, ‚das ist ein großes Unrecht! Gott wird sich das nicht gefallen lassen, dass man sein auserwähltes Volk so behandelt! Das wird sich noch in Zukunft zeigen!’ Ich war damals 14 Jahre alt und lächelte innerlich über die ‚verschrobene Alte’. Vom Lachen darüber wurde ich spätestens sieben Jahre später restlos geheilt. Wie recht hatte Tante Erna mit ihrer Prophezeiung! Übrigens sahen wir Dr. Köhler, den praktischen Arzt, er war Jude, aus der Dammstraße, im Gespräch mit den Feuerwehrleuten. Wie es sich herausstellte, wollte er den Leichenwagen der jüdischen Kultusgemeinde aus der Remise retten; diese war an der Ostseite der Synagoge angebaut. Wir sahen die Feuerwehrleute die Köpfe schütteln. Nein, es musste alles verbrennen! Man wollte nur die angrenzenden Gebäude schützen vor übergreifendem Feuer. Ich stimme übrigens Helmut Reinicke zu, dass die Synagoge am 10. November brannte.“

Ein wichtiger Mitarbeiter von Hanns-Ulrich Wein war Richard Schulz (1917-1990). Er war als Schwerverwundeter (Beinamputation) am 6. Februar 1945 in seine noch unzerstörte Heimat zurück gekommen. Sein Elternhaus hatte bis 1938 Wand an Wand mit der Synagoge gestanden. In der DDR war er Lehrer u.a. in Fürstenwalde und Brandenburg an der Havel (Ruhestand). Er hat wie kein anderer über Crossen/Oder und die Jüdische Gemeinde gearbeitet, so auch für die Crossener Heimatgrüße. Kürzlich habe ich im Archiv des Centrum Judaicum zu Berlin seine Arbeiten über die 32 jüdischen Familien Crossens gesehen.

Eine davon ist die kinderreiche Familie Traugott [CH 2/89, S.5; 4/89, S.18; 5/90, S.13]. Der jüdische Reise- oder Handelsvertreter war eigentlich Altwarenhändler und ernährte seine kinderreiche Familie mühselig. Im Ersten Weltkrieg hatte Vater Traugott das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhalten. Im August des Jahres 1936 rettete der Feldwebel Dagobert Winter das etwa 15jährige Mädchen Lotte Traugott aus der Oder, wo es zu ertrinken drohte. Winter erfuhr, dass er die Tochter des jüdischen Trödlers Traugott gerettet habe. Sein Kommandeur Major von Geyso schlug ihn für die Rettungsmedaille vor, die schon Bismarck erhalten hatte. Bedenken wegen des jüdischen Mädchens wies er scharf zurück. So kam es dazu, dass Adolf Hitler eine auf den 20. April 1937 datierte Urkunde über die ehrenvolle Rettung eines jüdischen Mädchens unterschrieb. Dagobert Winter fragte sich 1989 allerdings, ob er dem Mädchen damit einen Gefallen getan habe: bis auf einen Sohn – so hörte Winter – sei die Familie Traugott Opfer der Vernichtungsaktionen geworden.

Hildegard Richter geb. Henke ist vom 6. bis zum 16. Lebensjahr im Haus der jüdischen Familie Baschinski groß geworden. Vielleicht ist das der Grund, weshalb sie in den CH 3/90, S. 19-20, unbefangener als andere davon berichten kann, wie es jüdischen Mitbürgern ergangen ist. Im Israelitischen Altersheim in Berlin traf sie 1946 die fast 90jährige Frau Baschinski wieder. Sie hatte in Auschwitz dreimal vor der Tür zur Gaskammer gestanden. Als Kind hatte Hildegard Henke die vielen Goldzähne von Frau Baschinski bewundert: in Auschwitz gab sie einen Zahn nach dem anderen am Lagerzaun für trockenes Brot weg. Nach dem Krieg, als sie von den Russen befreit worden war, hatte sie noch zwei Zähne.

Nicht mehr behandelt werden in dieser Zusammenstellung die jüdischen Umschulungslager Schniebinchen und Jessen [CH 3/95, S. 30 und 4/95, S. 30] , die Familie Hugo Lesser und Werner Pinkus [CH 3/84, S. 17]. Die Sonderausgabe „1000 Jahre Crossen“ vom Crossener Heimatblatt enthält auf S. 22-23 einen Aufsatz „Die Juden beförderten Handel und Wandel“ (eigentlich: „Von den Juden in Crossen“).

Im Laufe der Jahre hat sich das Geschichtsloch zwischen 1933 und 1945 etwas gefüllt. Mein Wunsch wäre, dass sich die „Erlebnisgeneration“ zur „Erkenntnisgeneration“ wandelt. Ich schließe mit einem Gedicht (3).

17. Juni 2007, Groß Neuendorf, Workshop: Jüdische Spuren in der deutsch-polnischen Grenzregion


Anmerkungen

(1) Meine jüdischen Erinnerungen, Wilfried C. Reinicke: Der Mutter half 1936 bei meiner Geburt / nicht Dr. Schlesinger, früherer Hausarzt. / Er war schon heimatvertrieben, / ehe es Heimatvertriebene gab. / Kam er gut davon? / Deutscher wie andere Mitbürger auch? / Mein Geburtshelfer hieß Dr. Otto. / Zweieinhalb Jahr bin ich, / sehe am Tag die Feuerwehr löschen, / die ältren Geschwister eilen von der Schule herbei: / „Sichdichfür“ heißt die Straße, / Vorsicht des Hochwassers wegen. / Doch sind die Flammen gelegt, / es kommt nicht von selbst, / was das Eckhaus zerstört. / Später das Stück grüner Rasen, / wo Synagoge, Gotteshaus war. Arisiert wurde der Markt, / wo Kollegen des Vaters / den Handel betrieben. / „Jude“ – erst wischen sie’s ab: / Grüntal, Treuherz, Cassirer. / Dann hieß es, die hätten die Steuer / geprellt und seien ins Ausland geflohn. / Habt ihr es vergessen? Erinnert euch! Sie mussten flüchten ums Leben; / Eure Flucht kommt später, / alles der Reihe nach! / Haben sie euch gefehlt, / hab ihr gedacht an sie manchmal? / Wer hat ihre Gräber gepflegt? / Ich weiß, wo der Friedhof lag. Lange war es umstritten, / ob Crossen sich recht schreibt mit C oder K. / Die Entscheidung fiel dann für K, / und „Krosno“ heißt diese Stadt jetzt. / Ich verließ sie in Kälte und Schnee. / Weiß war nicht die Unschuld.

(2) H. Salinger erinnert sich an die Bürger jüdischen Glaubens. Mit 89 Jahren Rentner in San Francisco – über Schanghai in die USA. Ein treuer Leser der Heimatgrüße ist Landsmann Hermann Salinger, 185, 24th Avenue. San Francisco, Californien. 94121. Die Zeitumstände führten dazu, dass er nur noch mit wenigen Crossenern Kontakt hat. Er erzählt aber gern von der unbeschwerten Jugendzeit, was insbesondere in dem von ihm verfassten Artikel „Pennäler und Pauker um die Jahrhundertwende" in der Nr. 4/1974 zum Ausdruck kam. Der Redakteur hat Landsmann Salinger gebeten in der Serie ‚Kreis-Crossener im fremden Land’ einmal die Gedanken eines Crossener Bürgers jüdischen Glaubens darzustellen. Er meint, dass die Heimatgemeinschaft eine solche Stimme hören, beachten und sich zu Herzen gehen lassen sollte.

„Bis zum Beginn des 1000-jährigen Reiches haben alle Bürger Crossens, gleich welcher Religion, in Harmonie gelebt und sind ihren verschiedenen Berufen friedlich nachgegangen. Durch das Hitler-Regime wurde es schlagartig anders. Viele Crossener wandelten sich und zeigten ein fremdes Gesicht, nur um der sogenannten Führung zu gefallen. Sie wurden Nazis, und gerade die kleinen Nazis zeigten, was sie konnten. Die völlig unschuldigen Bürger jüdischen Glaubens wurden ihrer Berufe beraubt, durften nur zu bestimmten Zeiten einkaufen, wurden drangsaliert, denunziert und verhaftet, ohne jeden Grund, nur wegen des Glaubens. Ich – ein Crossener Kind – bin einer der letzten meiner Generation. Einige jüngere Crossener jüdischen Glaubens leben noch zerstreut in fremden Ländern. Meine Jugendfreunde sind umgekommen. Die jüdische Gemeinde in Crossen – wohl etwa 150 Seelen – war eine ruhige, anständige Gemeinschaft, die keinerlei Ursache zu missliebigen Ereignissen gab. Die Synagoge am Sichdichfür war das Bethaus. Die alte Generation hat noch die überkommen Gebräuche innegehalten, später wurde freidenkender gehandelt, doch das Judentum blieb gewahrt. Weit vor der Zeit des Nationalsozialismus, als wir noch sorgenlos lebten, fühlten wir jüdischen Schüler allerdings dann und wann schon antisemitische Aversionen, die sich auch auf manche Lehrer übertrugen. Die jüdischen Familien in Crossen traten jedoch als Gemeinschaft niemals in den Vordergrund. Die Simons, Holdes, Krohns, Rosenbaums, Salinger und alle anderen waren anständige Menschen, die sich bemühten, zum Fortschritt und zum Wohlstand der Stadt ihren Anteil beizutragen. Dennoch gab es viele Leute, die mit Verachtung vom „Juden Just“ oder „Juden Holde“ sprachen. Das Nationalbewusstsein der jüdischen Bürger Crossens war von dem der andersgläubigen Einwohner der Stadt nicht zu unterscheiden. Bei allen Festlichkeiten wurden die Nationalfarben gezeigt und mit Stolz wurde von den nationalen Ereignissen der Vergangenheit erzählt. Die 52er waren auch unser Stolz. Im ersten Weltkrieg standen die jüdischen Bürger im Felde, ließen ihr Leben und wurden verwundet wie alle anderen; es gab da keinen Unterschied in unserem Städtchen. Als das Hitler-Regime kam, wurde es anders. Nur wenigen jüngeren jüdischen Crossenern gelang es, die Heimat zu verlassen. Die meisten mussten unschuldig ihr Leben lassen. Es besteht also ein Unterschied zwischen den ehemaligen jüdischen Einwohnern und den Vertriebenen. Die Crossener Juden wurden von eigenen Landsleuten im Frieden aus der Heimat verjagt. Die anderen Crossener verloren ihre Heimstätten durch die Kriegshandlungen und ihre Folgen. Die jüdischen Vertriebenen hatten es viel schwerer, sich den Sitten und Gebräuchen der fremden Länder anzupassen. So landete ich mit meiner Frau – wir hatten je zehn Mark in der Tasche – in Shanghai. Um uns sprach man Chinesisch, wovon wir kein Wort verstanden. Wir mussten alle vorhandene Willenskraft und viel Fleiß aufwenden, um uns durchzusetzen. Nach Kriegsende kamen wir in die USA. Zunächst lebten wir neun Jahre in Cleveland (Staat Ohio). 1957 zogen wir nach San Francisco. Bis zu meinem 75. Lebensjahr habe ich als Fahrstuhlführer gearbeitet. Meine liebe Frau – in Neumarkt (Schlesien) geboren – begleitete mich durch dick und dünn. Leider ist sie im September 1973 gestorben, für mich ein unersetzlicher Verlust! Als 89jähriger Rentner genieße ich nun das schöne San Francisco und seine Umgebung, zum Beispiel den Lake Tahoe, das Spielerparadies Las Vegas und den Yosemite-Nationalpark, wo Bären in freier Wildbahn herumlaufen. September, Oktober und November sind hier die schönsten Monate. Mit wenigen Crossenern habe ich Kontakt. Zerstreut leben sie im Staate New York, in Wisconsin und in Toronto/Canada. Auch meine drei Brüder leben nicht mehr. Doch das Andenken bleibt, ich habe meine Heimatstadt Crossen nicht vergessen.“ (Crossener Heimatgrüße Nr. 2, 1975)

(3) Post mortem, Wilfried C. Reinicke: Meine Mutter fuhr oft nach Lodz / in jenen Jahren, / als es Litzmannstadt hieß / und im Reichsgau Wartheland lag. / Sie fuhr in Geschäften, / den Textilien des Vaters. / Wohl brachte sie ihren Kindern was mit, / doch keine Kunde vom Ghetto. / Gefunden in einer / berüchtigten Büchse in Auschwitz unter Asche und Knochen der Schreiber, / erreichen mich jetzt erst / ihre jiddisch geschriebenen Briefe aus Litzmannstadt. / 14.7.1984