„Das bleibt unter der Decke“

Der Wiener Kommunikationswissenschaftler Maximilian Gottschlich beschäftigt sich seit 30 Jahren mit dem Thema Judenfeindlichkeit: Ein Gespräch über Abgründe der österreichischen Seele, Machtpragmatismus und NS-Mitläufer Kurt Waldheim.

taz: Herr Gottschlich, wir sitzen auf dem Judenplatz in der Wiener Innenstadt. Was sagt dieser Platz über den Antisemitismus in der Stadt aus?

Maximilian Gottschlich: Es ist ein historischer Platz. Er war ein Teil des Gettos. Wir finden hier ein Holocaustdenkmal für die 65.000 ermordeten österreichischen Juden. Es wurde im Jahr 2000 hergestellt, da gab es schon überall auf der Welt welche. Zustande gekommen ist es auf Initiative von Simon Wiesenthal. Als man dann aufgegraben hat, kamen die Überreste der alten Synagoge zutage, die jetzt im Jüdischen Museum zu besichtigen sind. Gegenüber gibt es eine antisemitische Inschrift auf Latein und eine sehr distanzierte Stellungnahme über die Judenverfolgung. Ich halte ihn für einen der schönsten Plätze Wiens. Er drückt ein ungeheures Spannungsverhältnis aus: das Denkmal mit den nach außen gekehrten Büchern, bei denen man nicht erkennen kann, um welche Bücher es sich handelt. Die Türen sind verschlossen. Das heißt, das ist unwiederbringlich verloren.

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Veröffentlichung/ data publikacji: 23.07.2012