Großfeuer auf polnischem Basar

Deutsche Helfer erst Stunden nach Ausbruch angefordert / Mutmaßungen über Brandstiftung
Bei einem Großbrand auf dem polnischen Basar am Grenzübergang Hohenwutzen (Märkisch-Oderland) sind in der Nacht zu gestern rund 200 Marktstände zerstört worden. 99 deutsche Einsatzkräfte halfen. Sie waren aber erst knapp drei Stunden nach Ausbruch des Feuers um Hilfe gebeten worden.
Bekleidung, Lebensmittel und die Stände selbst wurden Opfer riesiger Flammen. Weil auch Feuerwerkskörper in die Luft flogen, kam es zu einer spektakulären Szenerie. „Die Verluste gehen in die Hunderttausende Zloty. Personen sind zum Glück nicht zu Schaden gekommen.“ Das war die erste Bilanz, die der Kommandant der zuständigen kreislichen Feuerwehr in Gryfino (Greifenhagen), Jacek Rudzinski, gestern zog.
Allerdings gibt es Fragezeichen zu der Brandbekämpfung sowie Spekulationen über die Ursachen. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass es sich um Brandstiftung handelt. Deshalb haben wir eine Belohnung von 20 000 Zloty (rund 5000 Euro) für Hinweise ausgesetzt“, sagte der Hauptgeschäftsführer des „Polenmarktes Hohenwutzen“, Nicolas Gesch. Der in Berlin lebende Deutsche berichtet von Konkurrenzkämpfen mit einer polnischen Firma, die einen weiteren Basar an dem Grenzübergang geplant haben soll.
Gesch hatte, als er am Sonntagabend um 18.35 Uhr über den Brandausbruch informiert wurde, bei der Feuerwehr in Berlin angerufen. Diese vermittelte ihn an die Regionalleitstelle Oderland in Frankfurt (Oder) weiter, welche über Kontakte nach Polen verfügt. Deren Leiter Carsten Greim bestätigte gestern, dass man ab 19 Uhr deutsche Einsatzkräfte vorbereitet habe. „Wir konnten sie aber nicht losschicken, da es noch kein Hilfeersuchen von polnischer Seite gab“, so Greim. Noch um 20.36 Uhr habe die polnische Leitstelle in Stettin erklärt, dass man keine Hilfe benötige. Zu diesem Zeitpunkt waren schon über 200 polnische Feuerwehrleute im Einsatz.
„Erst 21.04 Uhr traf dann die zweisprachige Faxvorlage mit dem Hilfeersuchen bei uns ein, wobei die Stichworte ‚Gebäudefeuer, Explosion und Menschenleben in Gefahr‘ angekreuzt waren“, berichtet Carsten Greim. Daraufhin sei ein aus 99 Personen bestehender Zug der Brandschutzeinheit Märkisch-Oderland in Gang gesetzt worden, dem freiwillige Feuerwehrleute aus neun Orten angehörten.
Ähnlich wie bei dem Basarbrand in Slubice im Januar 2007 konnte das Übergreifen des Feuers auf eine Tankstelle verhindert werden. Kurz vor Mitternacht waren die Flammen gelöscht, die deutschen Helfer verließen gegen 2.30 Uhr den Einsatzort.
Der Bürgermeister der polnischen Gemeinde Cedynia, Adam Zarzycki, sprach von einem großen Unglück für den Ort und kündigte Hilfe für die Betroffenen an.

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Veröffentlichung/ data publikacji: 06.11.2012