Gedenkbuch für die jüdischen Bürger Eberswaldes

Die jüdische Geschichte Eberswaldes begann im Mittelalter. Bis zur Jahrhundertwende blühte die jüdische Gemeinde auf und trug mit einer vergleichsweise großen Mitgliederanzahl (1930 waren es etwa 80 männliche Personen aus Eberswalde und Finow) zum florierenden Leben der Stadt bei. Die jüdischen Bewohner der Stadt prägten den Handel und das Bild der Innenstadt bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933. In nur wenigen Jahren wurde die jüdische Gemeinde der Stadt ausgelöscht, die Synagoge abgetragen, jüdische Grundstücke verkauft und der neue jüdische Friedhof an der Bad Freienwalder Straße eingeebnet. Nach 1945 gab es keine jüdischen Bewohner mehr in der Stadt. Die meisten Menschen waren der Naziherrschaft zum Opfer gefallen oder geflohen. Die Spuren des jüdischen Lebens verblassten in der Zeit der DDR und drohten in Vergessenheit zu geraten. Erst 1988, fünfzig Jahre nach der Reichspogromnacht von 1938, gab es die ersten Versuche, an das jüdische Leben in der Stadt zu erinnern. So leistete u.a. der Lokalforscher Ludwig Arendt mit seinen Recherchen wertvolle Arbeit und legte den Grundstein für weitere Forschungen. Es ist schwer zu sagen, wie viele Personen jüdischen Glaubens oder Herkunft in den dreißiger Jahren in Eberswalde lebten. Einwohnermeldelisten gibt es nicht mehr und die Erfassung der Personen stützt sich auf unterschiedliche Quellen. Es wird wohl nicht mehr möglich sein, genau zu ermitteln, um wie viele Personen es sich handelt. Das geplante Gedenkbuch wird die Namen derer erfassen, die bis zur Machtübernahme in Eberswalde lebten oder in Eberswalde geboren sind. Inhaltlicher Schwerpunkt ist die Rekonstruktion von Namen, Lebensdaten und -geschichten, der Schicksale einzelner Personen und Familien. Das Gedenkbuch soll so umfassend wie es heute noch möglich ist, den Opfern Namen und Identität zurückgeben und eine Auseinandersetzung der heutigen Bürger der Stadt mit ihrer jüdischen Geschichte ermöglichen.

 

Für das Gedenkbuch ist folgende Gliederung vorgesehen:

1.Teil – Namen/ Schicksale
Nennung aller Personen, die ab 1860 in Eberswalde oder Finow geboren sind, in den dreißiger Jahren in der Stadt lebten oder auch nur vorübergehend in dieser Zeit in Eberswalde wohnten. Das Jahr 1860 wurde deshalb gewählt, weil man davon ausgehen kann, dass Personen, die vor 1860 geboren wurden, die Machtübernahme der Nazis nicht mehr erlebt haben. Im Gedenkbuch werden Name, Geburtsjahr, Geburtsort, Wohnort, Beruf, Schicksal (soweit bekannt) erwähnt. Wenn Fotos der jeweiligen Person bzw. aktuelle oder historische Fotos des Grundstücks oder Hauses, in der sie lebte, vorhanden sind, wird man sie auch auf einer CD anschauen können.

2.Teil - Einzelschicksale
Hier werden drei jüdische Familien aus Eberswalde vorgestellt. Die Einzelheiten stammen aus Interviews und Gesprächen mit jüdischen und nichtjüdischen Eberswaldern (z.B. Frau Kirsh, geb. Löwenthal; Herr Arendt; Herr Schuppan; Frau Snyder, geb. Katschinsky; Frau Miron, geb. Steinhardt). Sie basieren auf privaten Recherchen der Autorin. Diese Erinnerungen sind sehr persönlicher Art. Sie beschreiben den jüdischen Alltag dieser Familien vor und während der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, sowie den Neubeginn im Exil. Die Autorin hat Kontakt zu drei überlebenden Personen aus den Familien Löwenthal, Steinhardt und Katschinsky. Alle drei Personen sind damit einverstanden, dass ihre Familiengeschichte in diesem Gedenkbuch vorgestellt wird.

3. Teil – Jüdische Spuren in und um Eberswalde (personenbezogen)
Synagoge: Hier wird die Geschichte der Synagoge beschrieben und mit Fotos ergänzt. Im Text finden sich auch persönliche Erinnerungen an die Synagoge.
Messingwerk in Finow: Das Messingwerk hat eine eigene jüdische Geschichte. Hier findet sich auch die Lebensgeschichte einer Messingwerkerin.
Friedhöfe: Die jüdischen Friedhöfe der Stadt werden vorgestellt und die Bemühungen verschiedenster Personen beschrieben, diese Friedhöfe freizulegen und wieder zugänglich zu machen.
Polenzwerder
: Die ehemalige Ziegelei Polenzwerder bei Eberswalde war in der Zeit von 1933-1941 Hachscharastätte zur Vorbereitung jüdischer Jugendlicher auf ihre Auswanderung nach Palästina, welche ihnen das Leben rettete. Hier findet sich ein Bericht der ehemaligen Teilnehmerin Betty Steinbock.
Stadtrundgang auf jüdischen Spuren: Mithilfe dieses speziellen Stadtplans soll ein Stadtrundgang / eine Stadtführung auf jüdischen Spuren, z.B. der Friedhöfe, der Gedenktafel für die Synagoge, sowie bekannter Grundstücke und Häuser ermöglicht werden. Dieser Stadtplan liegt dem Gedenkbuch bei.

CD-Rom: Auf der CD-Rom werden sich zusätzliche Materialien befinden, die in das Gedenkbuch keinen Eingang gefunden haben. Dort werden weitere Einzelschicksale dokumentiert und um Fotos von Grundstücken oder Wohnhäusern jüdischer Familien Eberswaldes ergänzt. Weiterhin finden sich auf der CD Texte zur Messingwerksiedlung, zu den Hachscharastätten Polenzwerder und Rüdnitz (die israelische Schriftstellerin Ester Golan berichtet über ihren Hachscharaaufenthalt in Rüdnitz), Lebens- und Familiengeschichten, sowie geschichtliche Hintergrundtexte. Die CD soll Interessierten eine Weiterarbeit am Thema ermöglichen.

Anhang: Nationalsozialistische Judenverfolgung – Gesetzgebung; Glossar; Quellenverzeichnis; Autorenregister