Integrierte Stadtentwicklungsplanung in der deutsch-polnischen Doppelstadt Frankfurt (Oder) - Słubice

Integrierte Stadtentwicklungsplanung in der deutsch-polnischen Doppelstadt Frankfurt (Oder) - Słubice – gemeinsames Projekt des Vereins Slubfurt e. V. mit dem Quartiersmanagement und der Stadt Frankfurt (Oder).
Am Mittwoch, den 06.03.2013 findet im Stadtverordnetensitzungssaal im Rathaus der Stadt Frankfurt (Oder) eine Sondersitzung des „Słubfurter Parlamentes“ statt. Das „Słubfurter Parlament“ trifft sich immer dann, wenn es wichtige Themen zu besprechen gibt zur Entwicklung des gemeinsamen deutsch-polnischen Stadtraumes von Słubfurt (Frankfurt und Słubice). Dabei handelt es sich um eine Art politisches Rollenspiel, zu dem alle interessierten Bürgerinnen und Bürger aus Frankfurt und Słubice eingeladen sind.

Das Thema dreht sich diesmal um eine bürgergesellschaftliche Gestaltungder Freifläche mitten im Herzen unserer Stadt, an der Slubicer Straße direkt neben der Stadtbrücke. Gemeinsames Ziel des Projektes ist es, für die Zeit bis zu einer Entwicklung und Neubebauung des Areals, Partner zu gewinnen und Ideen zu befördern, die eine temporäre Entwicklung und Nutzung dieser Flächen durch bürgergesellschaftliches Engagement ermöglichen. Volleyballfeld, Blumenrabatte, Open-Air-Bühne - wie wollen wir diese Fläche nutzen und beleben? Gemeinsam mit interessierten BürgerInnen wollen wir Ideen erarbeiten und Wirklichkeit werden lassen. Am 31. Mai, dem „Europäischen Fest der Nachbarn“ wollen wir die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit direkt auf der Freifläche an der Slubicer Straße präsentieren. Begleitet wird das Ereignis von einer Sonderausgabe der „Słubfurter Tageszeitung PROFIL“.

Bisher haben sich folgende Partner für eine gemeinsame Umsetzung des Projektes gefunden (in zufälliger Reihenfolge): Wichern Diakonie Frankfurt (Oder) e.V. , Demokratie und Integration Brandenburg e.V. RAA Brandenburg Nl. Frankfurt/Oder, Migrationsnetzwerk THINK, Quartiersmanagement Frankfurt (Oder), Fundacja na Rzecz Collegium Polonicum, SMOK (Kulturhaus Slubice), Słubfurt e.V., Stadt Frankfurt (Oder) / Frankfurt-Slubicer Kooperationszentrum, Stadtteilforum Mitte, WohnBau Genossenschaft, Wohnungswirtschaft Frankfurt (Oder) GmbH, Deutsch-Polnische Seniorenakademie, Seniorenbeirat der Stadt Frankfurt (O), MehrGenerationenHaus MIKADO, Kindervereinigung mit Kindern für Kinder e.V, Studierendenmeile e.V., AStA der Europa Universität Viadrina, Eurokita, Verbuendungshaus fforst
Gefördert wird das Projekt durch die Brandenburgische Landeszentrale für Politische Bildung und das Programm „Soziale Stadt“.

Hintergrund
Eine große, durch Stadtrückbau entstandene Freifläche beiderseits des Brückenkopfes zur Stadtbrücke soll einer bürgergesellschaftlichen Gestaltung zugeführt werden. Nach Jahren des Wartens und Hoffens haben sich für eine Bebauung der Brache bisher keine Investoren gefunden. Für die Zeit bis zu einer neuen Entwicklung und Neubebauung des Areals, soll im Rahmen des Projektes eine temporäre Entwicklung und Nutzung der Flächen durch bürgergesellschaftliches Engagement erfolgen. Mit diesem Projekt soll insbesondere die Auseinandersetzung, das Interesse und die Akzeptanz von Stadtentwicklungsprozessen, von Stadtgestaltung und –entwicklung bei den Bürgerinnen und Bürgern gefördert werden. Diese Fläche mitten im Herzen der Stadt Frankfurt (Oder) direkt am Grenzübergang ist von einer hoher Frequentierung (BürgerInnen sowie TouristInnen), städtebaulicher Relevanz (siehe INSEK) sowie Emotionalität geprägt. Sowohl für die direkten AnwohnerInnen als auch für die lokalen Akteure der Doppelstadt ist es von großem Interesse, der Fläche eine sinnvolle Nutzung als auch eine städtebauliche Aufwertung zuzuführen, was anhand der Vielzahl von Nachfragen zur zukünftigen Gestaltung in Stadtverwaltung, Stadtverordneten-versammlungen, beim Quartiersmanagement, in Bürgergremien, Leserbriefen und Medien deutlich wird. Dieser öffentliche Raum ist barrierefrei sowie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und damit für junge und alte SlubicerInnen und FrankfurterInnen mit und ohne Behinderung sehr gut erreichbar.

Um dieses Gelände einer sinnvollen Zwischennutzung zuzuführen, wurden zunächst Bürgerbefragungen in 2012 im Stadtteilforum Mitte (Bürgergremium) und beim Brückenfest (Stadtfest) durchgeführt. Diese Ergebnisse flossen in einen fach- bzw. ressortübergreifenden Workshop im August 2012 ein. Hier kamen StadtplanerInnen, PolitikerInnen, VermieterInnen, BürgerInnen, StudentInnen und KünstlerInnen zusammen und entwickelten diese Bürgerideen weiter. Einig waren sich alle darin, dass der Platz als ein Ort der Begegnung, der aktiven Freizeitgestaltung mit Sitz-, Kommunikations- und Sportmöglichkeiten gesehen wird. Beispielhaft sind hier Ideen wie Boule-Platz, Kunstgarten, Beach-Volleyball, Sportgeräte für alle Generationen, Liegewiese, Bühne für Auftritte, Naturspielplatz, dt.-pl. Kunsttreff zu nennen.

Auf Initiative unseres Vereins wollen nun mehrere Partner gemeinsam mit der Stadtverwaltung Bürger_Innen aus Frankfurt und Słubice einladen, in einem spielerischen, niedrigschwelligen, offenen und bürgergesellschaftlichen Prozess Ideen für eine Aktivnutzung der Brache sammeln und sie in einem ersten Schritt Ende Mai 2013 für einen Tag visualisieren und durchspielen. Einen Festtag lang wird die Brache als Aktivplatz getestet und die Ideen werden gemeinsam durchgespielt. Als Anlass soll hier das „Europäische Fest der Nachbarn“ als Symbol für die Partizipation und das Engagement zivilgesellschaftlicher Akteure fungieren. Die Ergebnisse werden dokumentiert und in Form einer zweisprachigen deutsch-polnischen Zeitung und im Internet auf der homepage der Stadt und des Quartiersmanagements veröffentlicht.

In einem zweiten Schritt werden die Ergebnisse des Testdurchlaufs in einem weiterhin offenen bürgergesellschaftlichen Prozess evaluiert. Nur die Ideen werden umgesetzt, die sich als sinnvoll und praktikabel erweisen, für die sich auch BürgerInnen verantwortlich zeichnen. Die so entwickelte Gestaltung des Aktivplatzes wird anschließend durch die beteiligten BürgerInnen und Vereine in Zusammenarbeit mit den zuständigen Ämtern der Stadt realisiert. Damit ist der Prozess allerdings nicht abgeschlossen, denn der Platz lebt nur durch die aktiv Beteiligten. Durch die hohe Partizipation der lokalen Akteure bei der Gestaltung des Aktivplatzes liegt es überaus nahe, dass der Platz auch zukünftig von ihnen getragen und genutzt wird.

Der bürgergesellschaftliche Prozess unter Einbindung verschiedenster Gesellschaftsschichten ist das erklärte Hauptziel unserer Konzeption. Deshalb sollen die Treffen regelmäßig weiter geführt werden, so dass auch für den Fall, dass sich irgendwann ein Investor für die Brache findet, sich bereits und hoffentlich eine gestärkte Bürgergesellschaft entwickelt hat, die den innerstädtischen Raum als ihren Ort, als „Res Publica“ begreift und weiter gestalten wird. Verstärkend für dieses Anliegen ist die Einbettung in die Strategie der angrenzen Großen Scharrnstraße. Der Verein Studierendenmeile gewann 2012 den Bürgerpreis für ihre Idee, die dort leer stehenden Gewerbeeinheiten mit bürgergesellschaftlichen Initiativen in Eigenverantwortung zu beleben. Die Erweiterung auf den öffentlichen Raum ist eine logische Weiterführung des Ansatzes und stärkt die Nachhaltigkeit der Idee eines bürgergesellschaftlichen Stadtraumes.

Vollständiger Text/ cały tekst:
Veröffentlichung/ data publikacji: 15.02.2013