Orte, die einst waren

Die Frau an der Frankfurter Straße im Geschenkeladen sagt: "Das ist nur 'ne halbe Stadt." Und die Frau im Schuhladen an der Berliner Straße: "Das ist 'ne halbtote Stadt", noch zwei Jahre, dann zieht sie weg, zieht ihren Kindern hinterher. Nach ihr die Sintflut. Drei junge Männer, Ende zwanzig alle, Smartphones und Zigaretten neben dem Bier, feiern Wiedersehen im Booze'n Juice, der einzigen Kneipe, die halbwegs städtisch ist. "Das ist 'ne tote Stadt", sagt einer, die anderen nicken. Halb, halbtot, tot - harte Steigerung. Die Bevölkerungszahlen geben ihnen recht: 1939 hatte Guben fast 50.000 Einwohner. 1946 die Hälfte. 1981 lebten, oh sozialistisches Wirtschaftswunder in der Wilhelm-Pieck-Stadt, wie sie da hieß, 36.000 Leute. Heute die Hälfte.

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Veröffentlichung/ data publikacji: 14.09.2013