Stolpersteine und Orte des Erinnerns

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Vom 28.-30. April 2015 veranstaltete der Förderverein „Bernhardinum“ e.V. in Fürstenwalde einen dreitägigen Geschichtsworkshop, der von 20 deutschen und polnischen Schülern des Schulzentrums Bernhardinum und des Zespol Szkol Publiczne Gimnazjum aus Słońsk besucht wurde.

Mahnmale, Friedhöfe, Gedenksteine und –tafeln, Orte des Erinnerns sind im Alltag zwar gegenwärtig. Sie finden dennoch selten Beachtung. In Fürstenwalde gibt es zahlreiche Orte des Gedenkens. An einigen dieser Stellen erarbeiteten sich die deutschen und polnischen Jugendlichen gemeinsam Details der Geschichte des Nationalsozialismus und der ehemaligen DDR.
Im Mittelpunkt des ersten Tags der Veranstaltung stand das Leben im Hachschara-Lager im ehemaligen Landwerk Gut Neuendorf bei Fürstenwalde. Als Fachreferentin trat Gisela Krüger auf. Sie vermittelte die wichtigsten geschichtlichen Fakten zu diesem Arbeitslager für jüdische Jugendliche und besprach die Thematik anhand von ausgewählten Biografien. Dazu wurden Menschen vorgestellt, die in diesem Lager lebten und die auch 1943/44 die Deportation nach Ausschwitz überlebten. Die Schüler schrieben nach dem Vortrag Briefe an die ehemaligen Lagerinhaftierten und Überlebenden, die anschließend nach Haifa und Jerusalem verschickt wurden.
Am zweiten Tag stand eine Besichtigung des Museums Fürstenwalde auf dem Programm. Es folgte eine Geocaching-Tour mit dem Museumsleiter Guido Strohfeld rund um Stolpersteine im Stadtgebiet, die an jüdische und politische Verfolgte während der NS-Zeit erinnern.
Aber auch Geschehnisse in der späteren sowjetischen Besatzungszone und Aspekte der DDR-Geschichte wurden beim Besuch ausgewählter Denkmale und Gedenkstätten reflektiert.
Der pensionierte Bundeswehroberst Karl-Christoph von Stünzner-Karbe trat am dritten Tag als Fachreferent zum Thema Auflösung der NVA auf. Den Schülern wurde zum Einstieg ein geschichtlicher Abriss ab 1945 bis zum Zerfall des Ostblocks vermittelt. Herr von Stünzner-Karbe berichtete von den Herausforderungen und Problemen, vor denen die Bundeswehr bei der Eingliederung und Abwicklung einer ehedem noch feindlichen Armee und ihrer Angehörigen stand. Letzter Programmpunkt war die Besichtigung des Geländes des ehemaligen sowjetischen Internierungslagers Ketschendorf. Der Zeitzeuge Willi Leppler erklärte Station für Station und anhand von noch existierenden Gebäuden die Funktion und das System des damaligen NKWD-Internierungslagers; er schilderte in beklemmenden Details seinen damaligen Häftlingsalltag als Jugendlicher und beantwortete Fragen der Schüler. Am Ende folgte eine kleine Kranzniederlegung am Gedenkstein für die Opfer des Lagers Ketschendorf.

Durch den praktischen Zugang zur Thematik und durch die intensive deutsch-polnische Teamarbeit wurde es den Jugendlichen leicht gemacht, einander kennenzulernen, Freundschaft zu schließen und drei Tage voller gemeinsamer Erlebnisse zu verbringen. Besonders der Grillabend in der Unterkunft, der Jugendherberge Braunsdorf, und das musikalisch untermalte gemeinsame Lagerfeuer am zweiten Abend schufen eine ganz besondere Atmosphäre der Gemeinsamkeit.

Finanziert wurde der Workshop mit Geldern der Euroregion PRO EUROPA Viadrina, Tolerantes Brandenburg und der Carl-Hans Graf von Hardenberg Stiftung.

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Veröffentlichung/ data publikacji: 28.05.2015