Maximilian Loboda (1909-1980). Kaplan der Frankfurter Heilig-Kreuz-Kirche und erster Priester in Słubice

Maximilian Loboda (1909-1980). Fot. arch. pryw. Rolanda Semika

Maximilian Loboda wurde am Donnerstag, dem 22. Juli 1909, in Hohenberg bei Bromberg (poln. Trzeciewnica), Kreis Wirsitz (poln. Wyrzysk), ca. 25 km westlich von Bromberg, geboren. Seine Eltern waren Johannes (1887-1971) und Theofila Loboda (1878-1954). Geschwister konnten nicht festgestellt werden.
Er sprach sowohl Deutsch als auch Polnisch, aber seine Nationalität bleibt unklar. Der Varianten kommen dafür in Frage: ein germanisierter Pole, ein polonisierter Deutsche oder ein Kaschube.

Jugend, Ausbildung, erste Pfarrgemeinden
Seine Kindheit und Jugend verbrachte er mit seinen Eltern in Berlin in der St.-Pius-Gemeinde, die damals eine der größten katholischen Kirchengemeinden war. Ein frommes Elternhaus und seine Heimatgemeinde St. Pius bereiteten ihn auf den künftigen Priesterberuf vor.
Maximilian Loboda absolvierte sein Abitur im Leibniz-Gymnasium in Berlin-Kreuzberg. Seit 1927 studierte er Theologie in Breslau, danach im Sommersemester 1930 in Innsbruck und vom Sommersemester 1931 bis Sommersemester 1933 an der Philosophisch-Theolo-gischen Lehranstalt in Fulda. Die Studierendenakte ist in Fulda nicht mehr vorhanden. Am 25. Februar 1935 empfing Loboda die Priesterweihe durch den Berliner Bischof Nikolaus Bares (1871-1935). Das war vermutlich die letzte Priesterweihe im Leben des Bischofs; er starb vier Tage später am 1. März 1935...
Ebenfalls am 1. März zelebrierte Loboda seine erste Messe, die sog. Primiz, in der St. Pius-Kirche in Berlin.
Am 15. März 1935 wurde er Kaplan in der St. Marienkirche in Berlin-Kreuzberg mit 17 500 Seelen, darunter 150 Nichtkatholiken. Sein erster Vorgesetzter war Pfarrer Karl Markowitz. Weitere Stationen seiner Tätigkeit waren: ab 15. November 1935 in der Kirche der Jungfrau Maria „Stern des Meeres” (lat. Stella Maris) in Swinemünde, ab 15. Januar 1938 in Brandenburg an der Havel, ab 1. Juli 1940 in Eberswalde, ab 1. Oktober 1941 Kaplan in der St. Bonifatius-Kirche in Bergen auf Rügen und ab 1. August 1942 zwei Monate lang vorläufiger Pfarradministrator am selben Ort – Bergen auf Rügen.
Maximilian Loboda war 46 Jahre lang Priester, davon fünf Jahre in der Heilig-Kreuz-Kirche in Frankfurt (Oder) und 33 Jahre in der Heilig-Geist-Kirche in Kyritz, Hagenstraße 1-3.

Gottesdienst in Frankfurt (Oder)
Vom 1. Oktober 1942 bis Herbst 1947 diente er in der Heilig-Kreuz-Kirche Frankfurt (Oder) und 1945 außerdem vorläufig in der neugegründeten polnischen Grenzstadt Słubice.
Pfarrer Hasse und Kaplan Loboda hatten während des 2. Weltkrieges die Gemeinde zusammengehalten. Seine Ansichten waren eindeutig gegen das NS-Regime gerichtet. Er hörte Radio London und wurde mehrfach von der Gestapo verhört. Der NSDAP gelang es nicht, Loboda zum Volkssturm-Einsatz heranzuziehen, sondern musste ihn nach Einspruch davon freistellen.

Nach dem Einmarsch der Roten Armee am 23. April 1945 nahm Kaplan Maximilian Loboda obdachlose Frauen und Kinder am Stiftsplatz behütend auf. Eindringlingen tritt er, gut Polnisch sprechend, furchtlos entgegen. Auch der katholische Frankfurter Pfarrer Felix Hasse war vor Ort. Mit wenigen Helfern löschte Maximilian Loboda auch den Brand am Kirchendach und legte als einer der ersten Hand mit an bei den Instandsetzungsarbeiten. Mit wenigen Jugendlichen, die zurück waren, feierte er die Jugendmesse und das kirchliche Nachtgebet. Viel Gutes tat er für die Vertriebenen. Er sorgte dafür, dass sie rasch Anschluss in der Gemeinde fanden.

Vor dem Krieg zählte die Gemeinde 5.000 katholische Seelen, und im Januar 1946 war sie wieder auf 3.000 angewachsen. Bei den Kirchenvorstandswahlen 1946 kam es zum offenen Konflikt zwischen Loboda und Pfarrer Hasse. Es war bisher üblich, dass der Pfarrer die Kandidatenliste selber gestaltet, und da waren ihm genehme ältere und alte Männer verzeichnet. Loboda und viele jungen Gläubigen waren dagegen.

Gottesdienst in Slubice
Nach der Vertreibung der Deutschen aus der Frankfurter Dammvorstadt rechts der Oder gab es hier kein Kirchengebäude. Diese befanden sich etwas weiter weg in Trettin (poln. Drzecin), Kunersdorf (poln. Kunowice), Bischofsee (Biskupice Stare), Leißow (poln. Lisów) und Reipzig (poln. Rybocice).
Die Einwohner der neuen, polnischen Stadt Słubice kamen meistens aus ehemaligen Ostgebieten Polens (heut Weißrussland und Westukraine), aber auch aus der Umgebung von Posen, Warschau und Lublin. Sie hatten noch keinen polnischen Seelsorger und kein eigenes Pfarramt.
Die Słubicer hielten ihren ersten polnischen Gottesdienst und feierten ihre erste polnische Heilige Messe am 24. Juni 1945 im ehemaligen, seit 2005 nicht mehr bestehenden Gemeindehaus der evangelischen Glaubensgemeinschaft „Entschiedenes Christentum“ , ul. Mickiewicza 10 (damals An der Seidenfabrik 5, danach An der Seidenfabrik 11).
Die ersten Heiligen Messen für polnische Einwohner Słubices, damals immer noch in Latein, wurden vom Kaplan der Frankfurter katholischen Heilig-Kreuz-Kirche, Maximilian Loboda, zelebriert, und zwar vom 24. Juni bis November 1945.
Mit einer Sondergenehmigung konnte er zu den Messfeiern als Geistlicher über die Behelfsbrücke (Kriegsbrücke II). Er durfte als einer der wenigen Deutschen die neue Staatsgrenze passieren. Als Service für die polnischen Katholiken wurden in Frankfurt die Glocken zum Gottesdienst geläutet, da es in der Dammvorstadt kein Kirchengeläut gab. Bis Ende 1946 wurde dieses Haus der Glaubensgemeinschaft „Entschiedenes Christentum“, An der Seidenfabrik 11, als katholische Kirche genutzt.
Nach 1946 wurde der recht große Saal des Gemeinschaftshauses geteilt und als ein Kulturhaus genutzt. Auch Kinoveranstaltungen fanden hier statt, bevor das Kino „Piast“ eröffnete. Am 4. Januar 2005 wurde mit den Abrissarbeiten begonnen.
Laut der nachträglich angefertigten Pfarrbücher, die sich nun im Pfarrarchiv der katholischen Kirche der Heiligen Jungfrau Königin Polens in Słubice befinden, zelebrierte Loboda insgesamt 14 Taufen, neun Hochzeits- und sieben Trauerfeiern. Die erste Taufe erfolgte am 1. Juli 1945 für Janina Maria Offman, die erste Trauerfeier am 14. Juli 1945 für Milizionär Marian Wójcicki und das 14-monatige Mädchen Janina Wołoćko. Die erste Hochzeitfeier führte er am 19. August 1945 für Jan Maćkowiak und Stanisława Bugier durch.
Die sowjetische Kommandantur in Frankfurt (Oder) und Słubice war sehr skeptisch gegenüber Lobodas Tätigkeit, und zwar vom Anfang an. Hilfreich war aber zunächst die Unterstützung vom Słubicer Kriegskommandanten Józef Krupa (1902-1980) und dem Bürgermeister von Słubice, Józef Magier (1902-1955).
Loboda hatte einen guten Kontakt zu jungen Gläubigen, die ihn duzen durften. Das war ein großer Unterschied zwischen ihm und dem konservativen Pfarrer Felix Hesse.

Seine Tätigkeit in Słubice konnte Maximilian Loboda jedoch nicht fortsetzen, da ihm die Brückenpassage durch einen Befehl des sowjetischen Stadtkommandanten verwehrt wurde. Die Soldaten nahmen ihm seinen Messkoffer ab und seine liturgischen Gegenstände wurden vor Ort beschlagnahmt. Die Slubicer mussten ihren Gottesdienst allein gestalten.
Im Dezember 1945 erhielten die Słubicer Katholiken eine Betreuung vom katholischen Männerorden Lazaristen (Vinzentiner) und eine Zusage der Stadtverwaltung, dass das ehemalige Schützenhaus ihnen zur Verfügung gestellt wird. Der erste polnische Priester in Słubice wurde Edmund Łowiński, der am 16. Februar 1948 mit offizieller Entstehung der katholischen Pfarrei auch der erste Słubicer Pfarrer wurde. Seit April 1946, schon knapp zwei Jahre vor der offiziellen Entstehung der Pfarrei gab es schon einen fünfköpfigen Pfarrrat. Am 3. November 1946 wurde die neue Kirche im ehemaligen Schützenhaus geweiht.

Eigene Pfarrei in Kyritz
1947 ging aus der Gemeinde in Kyritz ein Neupriester hervor, und der andere junge Mann musste sich erst auf den Priesterberuf vorbereiten. Auf dieser Grundlage entstand in Kyritz eine freie Stelle für Maximilian Loboda. Am 15. Oktober 1947 wurde er Pfarradministrator und am 15. Mai 1948 neuer Pfarrer der Heilig-Geist-Kirche in Kyritz. Viel Mühe und beschwerliche Wege musste er wegen der Betreuung der Außenstationen (Kapellen) auf sich nehmen. Die Zahl der Gläubigen in der Kyritzer Pfarrgemeinde betrug damals ca. 2.700, aktuell jedoch lediglich ca. 650.
Zahlreiche Erinnerungen an Maximilian Lobodas Kyritzer Tätigkeit haben Prof. Michael Höhle und sein Bruder, Pfarrer Thomas Höhle.

Tod
Maximilian Loboda verstarb am 29. Dezember 1980 im St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin-Mitte im Alter von 71 Jahren.
Am 9. Januar 1981 feierte in der Kyritzer Heilig-Geist-Kirche der frisch ernannte Bischof von Berlin, Joachim Meisner (1933-2017), das Requiem für Pfarrer Maximilian Loboda. Anschließend begab sich der Trauerzug durch die Stadt zum Friedhof20. Es ist eine Strecke von ca. 700 m. Der verstorbene Pfarrer Loboda wurde im Grab seiner Eltern beigesetzt.

Nachname und Herkunft des Kaplans
Das polnische Wort „Łoboda” bedeutet eine Melde (lat. Atriplex), d.h. die artenreichste Pflanzengattung innerhalb der Familie der Fuchsschwanzgewächse. Der Trivialname „Melde” ist vom bemehlten Aussehen der behaarten Pflanzen abgeleitet. Der Name klingt auf jeden Fall slawisch:
Polnisch und Obersorbisch – Łoboda, Russisch – Lebieda (Лебеда), Serbisch – Loboda (Лобода), Tschechisch – Lebeda, Weißrussisch – Lebiednik (Лябеднік).
Łoboda ist auch ein Kleindorf bzw. eine Wohnsiedlung in Mittelnordpolen, in der Tucheler Heide, mit lediglich 90 Einwohner, ca. 95 km nordöstlich vom Geburtsort des Kaplans Maximilian Loboda. Das kann ein wichtiger Hinweis bei der Forschung seiner Herkunft sein. Viele slawischen Nachnamen kommen nämlich direkt von jeweiligen Ortsnamen...
Die Wohnsiedlung Łoboda wurde von der ethnischen Gruppe der Borowiaken (poln. Borowiacy) gegründet. Sie nennen sich selbst Borowiaki bzw. Borusy, und ihre kaschubische Bezeichnungen sind Bòrowiôcë bzw. Bòrôcë. Alle Namen kommen vom kaschubischen Wort Bòrë, d.h. Nadelwald bzw. Kiefernwald.
Man kann verallgemeinern, es geht um eine kleine ethnische Gruppe kaschubischer Herkunft, die einen eigenen Regionaldialekt und seit 27. September 1980 auch ein eigenes Museum in Tuchola (dt. Tuchel) hat. Die Museumstätte wird seit 2001 vom Landkreisamt Tuchola begleitet.
Die kaschubische Untergruppe Borowiaken als auch die Kaschuben selbst waren und bleiben überwiegend katholisch wie damals auch der Kaplan Maximilian Loboda und im Gegensatz zu den meistens evangelischen Deutschen damals in der Region.
Diese Umstände lassen mich vermuten, dass Maximilian Loboda gerade ein germanisierter Vertreter der Borowiaken, d.h. der kleinen, ethnischen Gruppe kaschubischen Herkunft, sein könnte.

Roland Semik
Historischer Verein zu Frankfurt (Oder)

Quellen:
- Amtlicher Führer durch das Bistum Berlin, Berlin 1935.
- Pfarrer Maximilian Loboda †, in: St. Hedwigsblatt 3/1981, Katholischen Kirchenblatt im
Bistum Berlin vom 18.01.1981, hrsg. von Bischöfliches Ordinariat, Berlin 1981, S. 23.
- Schematismus für das Bistum Berlin 1958, Berlin 1958, S. 145.
- von Hehl, Ulrich, (Hrsg.): Priester unter Hitlers Terror: eine biographische und statistische
Erhebung, Teil 1, Paderborn 1996, S. 480.
- Henke, Joseph/ Verlande, Gregor (Hrsg.): Reichsministerium des Inneren. In Koblenz
gebildete Überlieferung, Band 54, Bundesarchiv Koblenz 1995, S. 109.
- Kotterba, Jörg: Ein Anlaufpunkt für Gläubige, in: Märkische Oderzeitung vom 12.12.2007,
S. 16.
- Pricelius, Bertram: Katholische Kirche Heilig-Geist, Internetseite der katholischen Pfarr-
gemeinde in Kyritz, (https://www.kyritz.de/verzeichnis/objekt.php?mandat=25757), Zu-
gang am 05.10.2017.
- Semik, Roland: Fisharmonia... na starej szafie, in: Gazeta Słubicka 02/2017 vom
22.02.2017, S. 10.
- Wüstefeld, Wolfgang: Manchmal schlimm immer schön, Jacobsdorf 2002, S. 176 u. 186.
- Archiv des St.-Hedwigs-Krankenhauses 1980.
- Pfarrarchiv der St.-Bonifatius-Kirche in Bergen auf Rügen, u.a. Chronik der Pfarrei 1942.
- Pfarrarchiv der Heilig-Kreuz-Kirche in Frankfurt (Oder), u.a. Gebetszettel 1981.
- Pfarrarchiv der Jungfrau-Maria-Kirche in Slubice, Kirchenbücher 1945.
- E-Mail-Korrespondenz mit Peter Goller (Innsbruck), Januar 2012.
- E-Mail-Korrespondenz mit Prof. Michael Höhle, April und Mai 2012.
- E-Mail-Korrespondenz mit Pfarrer Thomas Höhle (Templin), Mai 2012.
- E-Mail-Korrespondenz mit Dr. Edgar Kutzner (Bistumsarchiv Fulda), 2012.
- E-Mail-Korrespondenz mit Anita Wursthorn, Januar 2012.

Vollständiger Text/ cały tekst:
Veröffentlichung/ data publikacji: 26.09.2017

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