Schülerprojekte zum Schutz des jüdischen Kulturerbes in Skwierzyna

Seit sechs Jahren arbeite ich als Geschichtslehrer an den Vereinigten Allgemeinbildenden Schulen in Skwierzyna (Schwerin a.d. Warthe). Seit zehn Jahren interessiere ich mich für jüdische Fragen. Ich habe an vielen Schulungen, Weiterbildungskursen und Konferenzen zum Thema in mehreren Ländern teilgenommen, wie z.B.:

  • „Wie über den Holocaust unterrichten?“ in Kreisau,

  • Schulungen im Weiterbildungszentrum für Lehrer in Sulejówek,

  • Fortbildungsstudium „Totalitarismus – Nationalsozialismus – Holocaust“ bei Yad Vashem,

  • Vorlesungen und Arbeitsgruppen beim Institut zum nationalen Gedenken (IPN) in Posen zum Thema polnisch-jüdische Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg,

  • Schulungen im Rahmen des Programms „Die Erinnerung zurückholen“ bei der Stiftung zum Schutz des jüdischen Kulturerbes (FODŻ) in Warschau.

Seit zwei Jahren bin ich im Vorstand der Stiftung Judaica in der Wojewodschaft Lubuskie (http://judaika-lubuskie.webpark.pl), die viele Veranstaltungen organisiert, um auf das jüdische Kulturerbe in unserer Wojewodschaft aufmerksam zu machen. In der Schule betreue ich einen dreijährigen Zyklus, in dem ich sieben Unterrichtsstunden der jüdischen Problematik widme. Wir behandeln die Themen: Israel im Altertum, Juden im mittelalterlichen Europa, polnisch-jüdische Beziehungen in der ersten und zweiten polnischen Republik, Holocaust, Juden in der Volksrepublik Polen. Wir arbeiten mit vielen Organisationen und Stiftungen zusammen u.a. mit der Stiftung Shalom, der Stiftung Krauze, dem Verein „Kinder des Holocaust“ und der israelischen Botschaft. Von ihnen bekommt unsere Schule Unterrichtsmaterial (Bücher, Platten, Kassetten) für diejenigen, die in unseren Projekten mitarbeiten. Ich bemühe mich darum, die entsprechende Literatur in der Schulbibliothek zu sammeln und zugänglich zu machen. Dank des Wohlwollens der Schuldirektion und der Großzügigkeit der Sponsoren befinden sich in unserer Schulbibliothek über 200 Titel in der Abteilung Judaica und über 100 Stunden Filmmaterial.

Im Rahmen dieser Beschäftigungen und aufgrund ihres großen Engagements haben unsere Schüler schon zwei Mal den ersten Preis der Ausschreibung „Geschichte und Kultur der polnischen Juden“, organisiert von der Stiftung Shalom, gewonnen und waren darüber hinaus viele Male in der nominierten Spitzengruppe. Auch im Projekt „Die Erinnerung zurückholen“ der Stiftung FODŻ haben sich die Jugendlichen engagiert und an den Schulungen der Stiftung in Schwiebus (Świebodzin), Posen und Warschau teilgenommen.

Im Schuljahr 2006-2007 haben wir verschiedene Projekte geplant und realisiert. Z.B. haben wir den jüdischen Friedhof in Bledzew (Blesen, 10 km von Skwierzyna entfernt) aufgeräumt und rekonstruiert. Darüber hinaus organisierten wir viele kulturelle Veranstaltungen für Schüler und Lehrer anderer Schulen, für die örtliche Bevölkerung und die Medien wie z.B.:

  • ein wissenschaftliches Seminar zum Thema „Juden im westlichen Großpolen“,

  • die Ausstellungen „Juden in Polen. Unsere oder Fremde?“ und „Natur und Landschaft in Israel“ (zusammen hatten die beiden Ausstellungen über 3.000 Besucher),

  • Treffen mit „Kindern des Holocaust“ und „Gerechten unter den Völkern der Welt“,

  • Filmnächte mit israelischen Filmen und Filmen zum Thema Holocaust,

  • eine Debatte über Menschenrechte, organisiert von dem Verein „Spotkania“ in Warschau und der amerikanischen Botschaft,

  • Verhandlungen mit lokalen Behörden (der Bürgermeister von Blesen erklärte sich zum Beispiel damit einverstanden, eine Gedenktafel am jüdischen Friedhof zu stiften),

  • Organisierung von zweitägigen Studienfahrten in das Museum von Auschwitz-Birkenau, an dem im letzten Jahr 50 Schülerinnen und Schüler teilgenommen haben,

  • Gewinnen eines Sponsoren (Forstdirektion in Bledzew) zur Anpflanzung von Bäumen auf den jüdischen Friedhöfen in Bledzew und Skwierzyna

  • Erarbeitung eines multimedialen Führers über das ehemalige jüdische Schwerin a.d. Warthe,

  • Katalogisierung (beidseitige Fotos) von 250 Friedhofsgrabsteinen in Skwierzyna und 35 in Bledzew; Verschickung von Fotos an die Stiftung FODŻ für deren Internetseiten, wodurch wir die ersten Kontakte mit Menschen aus der ganzen Welt bekamen, die nach ihren Vorfahren fragten und uns viele wertvolle Informationen gaben.

Auch im Schuljahr 2007/2008 nehmen wir an dem Projekt der Stiftung teil. Wir haben vor u.a., kleine Gedenktafeln zur Geschichte und Kultur an besonderen Örtlichkeiten unserer Gemeinde anzubringen (z.B. eine informative Gedenktafel am Ort der ehemaligen jüdischen Schule und eine am Standort der Synagoge), darüber hinaus planen wir die Durchführung von Bildungs- und Kunstwettbewerbe für Jugendliche aus unserer Wojewodschaft.

 

Aus dem Polnischen Ruth Henning

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