Die halbe Heimat – Reich-Ranicki und Polen

Doch mehr als ein halber Pole? Warschau-Korrespondent Gerhard Gnauck hat ein Buch über Marcel Reich-Ranickis polnische Jahre geschrieben.

Als Marcel Reich-Ranicki 1958 erstmals an einem Treffen der Gruppe 47 teilnahm, entgegnete er auf die Frage von Günter Grass, was er eigentlich für ein Landsmann sei: „Ich bin ein halber Pole, ein halber Deutscher und ein ganzer Jude.“ Inzwischen gehört dieser Ausspruch zum Kanon von Reich-Ranickis Biografie, und Gerhard Gnauck hat ihn folgerichtig seinem Buch über Marcel Reich-Ranickis polnische Jahre vorangestellt. Trotzdem lässt sich Gnaucks Buch „Wolke und Weide“ unter anderem als der Versuch lesen, aus dem großen Literaturkritiker mehr als nur einen halben Polen zu machen. Würde bei Reich- Ranicki doch „unter der Wolle des Juden aus Polen, der zum Literaturpapst der Deutschen avancierte“, das Land an der Weichsel mehr als nur durchschimmern: „Er war, auch wenn er sich aus einem ganzen Knäuel von Gründen nicht recht dazu bekennen mochte, reicher als viele andere: Er war reich an Heimat.“

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Veröffentlichung/ data publikacji: 26.03.2009