Deutsch-polnische Bischofserklärung zum Weltkrieg

Mit einem Bekenntnis zum Frieden, zu Verständigung und gegenseitiger Achtung gedenken die Bischofskonferenzen Polens und Deutschlands des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren. Es komme darauf an, "dass die Nachkriegsgenerationen ein angemessenes Verständnis des Weltkrieges gewinnen und bewahren", heißt es in einer am Dienstag in Bonn und auf dem Hellen Berg in Tschenstochau in Polen veröffentlichten gemeinsamen Erklärung. Jetzt gelte es, gemeinsam in die Zukunft zu blicken, "ohne die geschichtliche Wahrheit in all ihren Aspekten zu vergessen noch zu gering zu achten".

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Veröffentlichung/ data publikacji: 25.08.2009

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Erklärung deutsch-polnischer Bischöfe

Paul Haverkamp
Goebelstr. 1
49809 Lingen Lingen, den 25.8.09

E-mail: paul.haverkamp@ewetel.net

Leserbrief zum Dokument der deutschen und polnischen Bischöfe zum 70. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges

Dass 70 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges deutsche und polnische Bischöfe eine gemeinsame Erklärung herausgeben, wird von mir ausdrücklich begrüßt. Dass das erste Opfer des Zweiten Weltkrieges und der Initiator des Zweiten Weltkrieges gemeinsame Erinnerungsarbeit betreiben, muss als wichtiger Schritt einer Versöhnungskultur bewertet werden. Im Text wird an die gemeinsame Erklärung der polnischen und deutschen Bischofskonferenz aus dem Jahre 1965 erinnert; damals hieß es: „Nur die Wahrheit kann uns frei machen, die Wahrheit, die nichts hinzufügt und nichts weglässt, die nichts verschweigt und nichts aufrechnet (vgl. Joh 8,32).

Zur Wahrheit gehört es aber auch, dass die katholische Kirche nicht frei von Mitschuld ist am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges – vor allem aber auch an der während des Krieges verübten Shoa. Zu einem Eingeständnis der katholischen Kirche an einer Mitschuld hat man sich jedoch auch in diesem Papier nicht durchringen können.

Alle katholisch Schulderklärungen der Vergangenheit zeichnen sich durch folgende Gemeinsamkeit aus : Die Päpste schieben die Schuld an den im Namen Gottes verübten Verbrechen einzelnen „Söhnen und Töchtern“ der Kirche zu, oder wie Papst Benedikt in Auschwitz „einer Schar von Verbrechern“. Die päpstlichen Schulderklärungen vermeiden es konsequent, von kirchlicher Schuld zu reden.

Meine Forderung hingegen lautet: In den Blick zu nehmen ist nicht bloß das Problem einer Kirche aus Sündern, sondern die Mitschuld einer sündigen Kirche. Zu Recht fordert deshalb Hans Küng : „Keine fadenscheinige Unterscheidung zwischen der ‚heiligen’ Kirche und den sündigen Gliedern, wo, um die Heiligkeit ‚der Kirche’ nicht zu kompromittieren, völlig abstrakt unterschieden wird zwischen den Gliedern und der Kirche selbst, die angeblich sündlos bleibt. Aber : Kirche gibt es nicht in abstracto, sondern in concreto!“

Unterstreichen möchte ich meine Forderung mit einem Dokument amerikanischer Katholiken aus dem Jahre 2001 ; in dem Text der „Unitet States Catholic Conference“ heißt es:

„Der christliche Antijudaismus legt das Fundament für den rassischen, auf Völkermord zielenden Antisemitismus, indem er nicht nur das Judentum, sondern auch die Juden selbst stigmatisierte und der Schmähung und Verachtung aussetzte. Deshalb fielen die NS-Theorien tragischerweise auf fruchtbaren Boden, der das Grauen eines beispiellosen Völkermordversuchs ermöglichte.“

Paul Haverkamp, Lingen

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