ARTE Ost?

Ich lebe in Görlitz, arbeite in Zittau und fahre deshalb täglich an der deutsch-polnischen Grenze entlang auf die tschechische Grenze zu. Anfangs hörte ich dabei meist „Figaro“, das Kulturradio des MDR. Klassik, Chansoniers, Singer-Songwriter, Liedermacher, Canzonieri. In manchen Senken geht der Sender dann schon mal weg, man gerät ins Funk-Grenzland, drückt auf den Sendersuchlauf und landet abwechselnd in der polnischen und tschechischen Musikwelt. Bah, das ist ja klasse: RazDwaTrzy! Ach, und da ist wieder „Figaro“: Immer noch Singer-Songwriter, Chansoniers, Liedermacher… Kurz: ein Repertoire, das genau so gut im Saarländischen Rundfunk als „landestypisch“ durchkäme, sprich: Ohne jede Spur davon, dass es der Sender einer spannenden mitteleuropäischen Grenzregion mit spannenden Musikkulturen ist. Zweimal habe ich diese Anregung an die Redaktion gemailt – beide Male ohne jede Antwort.

Im Printbereich sieht es hier kaum besser aus: Die „Sächsische Zeitung“ hat slavische Sonderzeichen wie Häkchen und ł oder ą erst vor Kurzem eingeführt und berichtet außer auf einer eher Ausflugstipp-orientierten wöchentlichen Seite „Nachbarland“ höchstens dann über Polen und Tschechien, wenn wieder einmal ein Traktor oder ein PKW fort ist.

Als studierter Slavist und beruflich als „Öffentlichkeitsmensch“ einer Mini-Uni, die so viele polnische und tschechische wie deutsche Studierende hat, liegt mir die Sache zu sehr am Herzen, als dass ich sie auf sich beruhen lassen könnte.

Das leider verschwundene „Radio Multikulti“ oder das WDR-„Funkhaus Europa“ boten/bieten den Sound eines bestimmten multikulturellen Lebensgefühls, so wie „ARTE“ eine gemischt deutsch-französische ästhetische Sphäre bietet, angefangen bei den Trailern. In Berlin („Club der polnischen Versager“), Dresden, Prag, Wrocław, Warschau gibt es zwar diverse Szenen, In-Groups, die ein spezifisches „mitteleuropäisches“ Lebensgefühl transportieren, es gibt auch diverse Printmedien dazu – aber ein Online-Medium, das ein deutsch-polnisch-tschechisches Länderdreieck „fühlbar macht“, also das nicht primär Berichterstattung ist, sondern gelebte Mehrsprachigkeit, vorstellen der Musik-Kulturen und ästhetischer Ausdrucksformen (polnische Graphik…) zu einem „Mitteleuropa-Feeling“ vereint, ein „ARTE Ost“ – ist mir zumindest nicht bekannt.

Falls es da irgendwelche Initiativen (z.B. als Internet-Radio) gibt oder gab (und aus bestimmten Gründen gescheitert sind…), wäre ich sehr an einer Info interessiert. Ein solches Medium, das über das Lebensgefühl einer Generation in den mitteleuropäischen Zentren funktioniert (und nicht vorwiegend Migranten-Subkulturen bedient), böte so viele Möglichkeiten der Vernetzung und gegenseitigen Bewerbung von Events und Initiativen! Der Sound der Dresdner Neustadt oder aus Žižkov muss als verwandter kenntlich werden…

Mit freundlichen Grüßen/S pozdravem/Serdeczne pozdrowienia
Oliver Tettenborn

Internationales Hochschulinstitut (IHI) Zittau, Öffentlichkeitsarbeit
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Veröffentlichung/ data publikacji: 22.07.2010