Frankfurter Allgemeine Zeitung

An der Schwelle

Mitten im europäischen Hagelsturm ist Donald Tusk, dem Regierungschef des sechstgrößten Landes in der Europäischen Union, gelungen, was andere kaum noch hoffen können. Nachdem in Irland, den Niederlanden und Portugal die Regierungsparteien abgewählt wurden und in Madrid, in Rom und Paris die Kabinette wackeln, kann der polnische Ministerpräsident nach einer gewonnen Wahl in sein Amt zurückkehren, als hätte es in den vergangenen Jahren keine Krise gegeben.

Veröffenlichung/ data publikacji: 11.10.2011

Ein Sieg der Liebe und des Hasses

Polen hat am Abend der Wahl zwei Sieger gehabt und zwei Verlierer. Unter den Siegern war Donald Tusk, der erste Ministerpräsident seit 1989, dem nach vier Jahren die Wiederwahl gelungen ist, zumindest den Zahlen nach der größte. Vier Jahre lang hat er Polen nach einer Phase schwerer innen- und außenpolitischer Konflikte unter seinem Vorgänger Jaroslaw Kaczynski mit dem Wort „Vertrauen“ bombardiert (in einer Regierungserklärung im Jahr 2009 kam es allein zwanzig Mal vor).

Veröffenlichung/ data publikacji: 11.10.2011

Die böse Kanzlerin

Wenn Jaroslaw Kaczynski, der nationalkonservative frühere Ministerpräsident Polens, eine Wahl gewinnen will, nimmt er gerne Hilfe aus Deutschland in Anspruch. Im Jahr 2005, als er zusammen mit seinem Zwillingsbruder Lech den ersten Anlauf zur Macht nahm, half die Wehrmacht: Wenige Tage vor der zweiten Runde der Präsidentenwahl lancierte er die Nachricht, der liberalkonservative Kandidat Donald Tusk habe einen "Großvater in der Wehrmacht" gehabt, er sei mithin kein verlässlicher Patriot.

Veröffenlichung/ data publikacji: 05.10.2011

Wider Erika Steinbachs Historiker

Nein, ein Buch, das leichthin auf der im vereinten Deutschland seit einigen Jahren unübersehbaren Welle verstärkten Interesses am Thema „Flucht und Vertreibung“ daherkommt, ist das Werk von Eva und Hans Henning Hahn sicherlich nicht. Ein konjunkturgerecht rasch plazierter „Schnellschuss“ kann es schlechterdings nicht sein. Dies machen schon die äußerlichen Dimensionen deutlich: 839 Seiten mit 2935 Anmerkungen türmen sich vor dem Leser auf.

Veröffenlichung/ data publikacji: 04.10.2011

Spaziergang in Babij Jar

Vor siebzig Jahren ermordeten SS- und Wehrmachtssoldaten wurden in der Schlucht Babij Jar mehr als 33.000 Menschen. Mittlerweile hat die Großstadt Kiew die Schlucht umschlossen. Sie ist heute ein Park.

Veröffenlichung/ data publikacji: 29.09.2011

Polen und die Euro-Krise - Teile und rette?

Polen befürchtet, vor lauter Krisenräten der Euro-Länder in Brüssel immer mehr an Einfluss zu verlieren. Deshalb präsentiert sich Warschau als Verfechter der Finanzdisziplin - meistens. In den Verhandlungen um den EU-Haushalt für die Jahre 2014 bis 2020 dringt das Empfängerland Polen (anders als Deutschland und andere Geberländer) auf eine weitere Vermehrung der Brüsseler Überweisungen in die ärmeren Länder der Union.
Veröffenlichung/ data publikacji: 18.09.2011

Der Populist und sein Volk

Deutsche Szene mit holländischem Gast: Geert Wilders tritt auf einer Wahlkampfveranstaltung einer Kleinpartei in Berlin als Redner auf und eröffnet eine neue Front. Es geht nicht mehr gegen den Islam. Der Feind heißt jetzt Europa.

Veröffenlichung/ data publikacji: 05.09.2011

Immer vorwärts im Kampf um die Freiheit

Adam Michnik ist der wichtigste Publizist in Osteuropa. Er hat die polnische Revolution mit angeführt, die beste Zeitung gegründet. Heute blickt er auf China, den Nahen Osten und die Europäer.

Veröffenlichung/ data publikacji: 27.08.2011

Bürgerliche Werte „Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat“

Das komplette Drama der Selbstdesillusionierung des bürgerlichen Denkens spielt sich gerade in England ab. In einem der meistdiskutierten Kommentare der letzten Wochen schrieb dort Charles Moore: „Es hat mehr als dreißig Jahre gedauert, bis ich mir als Journalist diese Frage stelle, aber in dieser Woche spüre ich, dass ich sie stellen muss: Hat die Linke nicht am Ende recht?“ Moore hatte das vor den Unruhen geschrieben und ohne jede Vorahnung. Ehrlich gestanden: Wer könnte ihm widersprechen?

Veröffenlichung/ data publikacji: 16.08.2011

„Ich wurde für die Wahrheit verurteilt“

Andrzej Poczobut ist Weißrusslandreporter der polnischen Zeitung „Gazeta Wyborcza“. Wegen kritischer Berichte wurde er festgenommen und zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Er wird trotz der Repressalien nicht schweigen.

Veröffenlichung/ data publikacji: 11.08.2011
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