Die Irrwege des EuroCitys "Alois Negrelli" Berlin-Stettin

Zuglaufschild EC Alois Negrelli

Er hat erst kürzlich seinen ersten Geburtstag gefeiert: der neue EuroCity-Zug mit dem wohlklingenden Namen "Alois Negrelli", der morgens von Prag über Berlin nach Stettin fährt und nachmittags retour. Die schicken modernen blau-roten Wagen der tschechischen Bahn schaffen zwar die Relation zwischen der pommerschen Hafen- und der deutschen Hauptstadt auch nicht schneller als die in die Jahre gekommenen Regionalzüge mit dem durchsessenen Interieur in pink-hellgrün. Aber eine - wenn auch symbolische - Hoffnung war für die verkehrsinteressierten Berliner schon mit dem EC verbunden, wenn man sich die Entwicklung dieses "Stiefkinds" unter den grenzüberschreitenden Eisenbahnstrecken der letzten Jahre anschaute.

Um so mehr ein Hohn, dass der einzige Fernzug, der täglich zwischen Angermünde, Tantow und Gumience in Schrittgeschwindigkeit die triste Winterlandschaft farblich aufhübscht, und kaum von Fahrgästen angenommen wird, den hochtrabenden Namen Alois Negrelli trägt. Negrelli war nämlich im 19.Jahrhundert ein bedeutender österreichischer Eisenbahnpionier. Er baute wichtige Verkehrswege in Böhmen auf, so auch zwischen Wien, Prag und Dresden, managte die Errichtung der ersten Schweizer Eisenbahnstrecken - später wechselte er in den Wasserbau und gilt bis heute als "Vater" des Suezkanals.

Aber warum fährt niemand mit diesem tollen Zug? Ich startete am Wochenende den Selbstversuch, um dieser Frage nachzugehen, und stieg mit Begleitung in Stettin in den EuroCity "179" Richtung Prag ein. Nur wenige Menschen taten es uns gleich. Vor der Fahrt hatte ich mir ein "Berlin-Stettin-Ticket" für 10 Euro gekauft. Auf der Internetseite des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) stand, dass in diesem Zug der VBB-Tarif zwischen Berlin und der Bundesgrenze anerkannt werden würde. Auf Nachfrage per Mail klärte man mich auf, dass ich im Zug zwischen Tantow Grenze und Stettin ganz einfach ein Ticket für den kurzen polnischen Streckenabschnitt, auf dem der VBB-Tarif ausgerechnet nur in diesem Zug nicht gelte (in allen anderen Zügen gilt er übrigens), nachlösen müsse. Als ehemaliger Semesterticketinhaber war ich ja gewöhnt, dass ich zwischen Tantow und Stettin 2,60 EUR nachzahlen muss - also kein Problem dachte ich: die paar Euro sind mir mein "Test" wert.

Falsch gedacht. Stattliche 13,80 EUR mussten wir Nichtsahnende an die pflichtbewusste Schaffnerin (quasi als "Strafzoll") für die knapp zehnminütige Fahrt zwischen Stettin und Tantow nachzahlen. Ein EuroCity im internationalen Verkehr hat ja nichts mit den subventionierten VBB-Dumpingpreisen zu tun - zumindest nicht in Polen. Kein Wunder, dass kaum jemand mit dem schicken Zug fuhr, sicherlich haben viele Pendler schon diese "teure" Erfahrung gemacht. Leider kann man beim nächsten Mal auch nicht auf einen zeitgleichen Regionalzug umsteigen können, denn dieser wurde zugunsten des EuroCitys eingestellt. Die Devise lautet also: Doch wieder auf die privaten Kleinbusse umsteigen (die übrigens die Strecke schneller bewältigen als der neue Luxuszug).

Fazit, liebe Deutsche Bahn: Guter Ansatz - Thema verfehlt.

Vollständiger Text/ cały tekst:
Veröffentlichung/ data publikacji: 02.01.2012

Komentarze

VBB-Tarif bald bis Stettin?

Der VBB antwortete mir unlängst bzgl. dieses Themas und erklärte, er würde sich bei der DB und der PKP dafür einsetzen, dass der VBB-Tarif bald auch im EC durchgehend bis Stettin gültig ist.

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