Berliner Schüler gestalten Ausstellung über polnische Spionagehelden des Zweiten Weltkriegs

In der Berliner Robert-Jungk-Oberschule ist derzeit – auf Anfrage – eine interessante kleine Ausstellung zu sehen, die elf Schüler der Wilmersdorfer Sekundarschule im Geschichtsunterricht erarbeitet haben. In der Schule mit gymnasialer Oberstufe werden die geisteswissenschaftlichen Fächer auf Polnisch und die naturwissenschaftlichen Fächer auf Deutsch unterrichtet.
Für den Städtepartnerschaftsverein Szczcin-Friedrichshain-Kreuzberg war ich kürzlich auf Einladung zu Besuch bei Frau Smoczynska-Reiner und ihren Schülern Karolina und Lukas aus der zehnten Klasse. Die drei stellten mir ihre sorgsam im und außerhalb des Unterrichts in den letzten Wochen auf mehreren Bildtafeln zusammengestellte Ausstellung vor.
Die gezeigten Tafeln handeln von Witold Pilecki (1901-1948), der sich freiwillig von den Nazis festnehmen und nach Auschwitz deportieren ließ, um - ebenso wie Jan Karski (1914-2000), über den auch in der Ausstellung berichtet wird - Informationen über die Konzentrationslager und den Holocaust an die alliierten Geheimdienste zu übermitteln. Den beiden wurde aufgrund ihrer schrecklichen Berichte anfangs kein Glauben geschenkt. Pilecki wurde trotz seiner mutigen Dienste nach dem zweiten Weltkrieg von den Kommunisten als Delinquent umgebracht.
Eine Tafel ist auch der Geschichte des Chiffriersystems Enigma gewidmet, an deren kriegsentscheidender Entschlüsselung - was kaum bekannt ist - maßgeblich polnische Geheimdienstler beteiligt waren. Und auch die polnische Mata Hari, Krystyna Skabek (1908-1952), die den Krieg zwar überlebte, dann aber von einem gehörnten Verehrer, weil sie seinen Heiratsantrag ausschlug, ermordet wurde sowie der Flieger Stanislaw Skalski (1915-2004) und der General Stanislaw Maczek (1892-1994) sind Thema der Ausstellung.
Das Geschichtsprojekt sollte den Schülern Freude am Recherchieren, Zusammenstellen und Präsentieren bringen und bei diesen, insbesondere für ein späteres Berufsleben oder Studium wichtigen Skills einüben. Mit ihrem Projekt wollen die von dem Projekt begeisterten Schüler im nächsten Schuljahr außerdem gerne an einem Warschauer Videowettbewerb teilnehmen.
Vor allem aber freuen sich die Schüler, wenn mehr interessierte Personen ihre Plakate sehen würden und somit auch die vorgestellten Persönlichkeiten mehr in den Fokus des Bewusstseins rücken würden. Da die Schule für Schulfremde normalerweise nicht zugänglich ist, ist dies nur nach vorheriger Anmeldung bei der Lehrerin oder an den Tagen der offenen Tür oder beim Sommerfest ohne Anmeldung möglich.

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Veröffentlichung/ data publikacji: 03.07.2015