„Für starke Regionen im ganzen Land“

Der 32-jährige Piotr Dlugosz leitet die „Bewegung für die Autonomie Schlesiens“ (RAS) in der Region Opole. Mit ihm sprach Dietrich Schröder.
Herr Dlugosz, fühlen Sie sich als Pole, als Schlesier oder vielleicht sogar als Deutscher?
Piotr Dlugosz: Als Schlesier.
Herr Kaczynski behauptet, dass Ihre Organisation eine Loslösung Schlesiens von Polen will. Hat er damit Recht?
Nein, wir wollen eine Autonomie innerhalb Polens erreichen. So ähnlich, wie sie die Bundesländer innerhalb Deutschlands haben. Mir ist nicht bekannt, dass sich eines dieser Länder von Deutschland loslösen will.
In Deutschland spricht man ja nicht von Autonomie, sondern vom föderalen Staat. Wollen Sie so etwas wie die Bundesrepublik Polen erreichen?
Nein, auch nicht, denn in Polen ist man aus historischen Gründen einer Föderation stark abgeneigt. Vielleicht ist auch der Vergleich mit Spanien besser. Dort gibt es einen Zentralstaat mit starken Regionen.
Haben in Polen andere Regionen ähnliche Bestrebungen?
Bisher gehen die Forderungen nirgendwo so weit wie bei uns. Wir starten deshalb jetzt eine allgemeine Bewegung unter dem Motto „Polen der Regionen“. Da haben sich schon Interessenten aus Pommern, Kaschubien und dem Gebiet um Posen gemeldet. Und wir hoffen auch auf weitere Interessierte.
Wie groß ist Ihre Bewegung?
In der Region Opole haben wir rund 200 Mitglieder, insgesamt etwa um die 1000, am stärksten sind wir um Katowice.
Müssen andere Polen vor Ihnen Angst haben?
Auf keinen Fall, denn wir wollen unser Modell, in dem es um die Stärkung des bürgerlichen Bewusstseins und mehr Verantwortungsgefühl geht, für das ganze Land erreichen.
Ein weiterer Vorwurf gegen Ihre Organisation lautet, dass Sie im Kontakt mit deutschen Vertriebenen stünden. Stimmt das?
Nein, wir haben zwar Kontakt zu Deutschen, aber nicht zum „Bund der Vertriebenen“. Zudem sind die meisten unserer Mitglieder jünger als 40 Jahre. Viele sind Wissenschaftler. Wir vergeben einen Kulturpreis und machen uns nicht nur über die Geschichte, sondern vor allem über die Zukunft Schlesiens Gedanken.

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Veröffentlichung/ data publikacji: 18.04.2011