Mit Aurora in der Wasserwelt. Küstriner Land bietet einzigartige Naturerlebnisse und historische Zeitzeugen von europäischem Ran

Seit Abschaffung der Grenzkontrollen ist es noch einfacher geworden, das Nachbarland Polen zu erkunden. In einer Serie stellen wir Ausflugsziele in der Grenzregion vor. Heute: Die Festungsstadt Küstrin an der Warthemündung.

Wer ins Küstriner Land reist, sollte sich zeitig auf den Weg machen. Der Sonnenaufgang über dem überfluteten Warthebruch bietet ein einzigartiges Schauspiel. Eine der besten Stellen, es zu erleben, ist die Vogelroute. Sie ist über die Nationalstraße 22 zu erreichen. Man lässt, auf der B 1 über die Oder fahrend, die Festung Küstrin vorerst rechter Hand liegen und fährt in der Morgendämmerung nach Sonnenburg (Slonsk). In Ortsmitte fährt man nach links, an der dreischiffigen Johanniter-Ordenskirche vorbei, die vor
500 Jahren geweiht wurde.

Vom Vorort Przyborow (Priebow), führt eine häufig vom Wasser der Postomia, einem alten Warthestrom, überspülten Betonstraße direkt in die „Vogelrepublik". Der Verein der Freunde von Sonnenburg hat die Republik im Nationalpark Warthemündung proklamiert. Es gibt sogar Pässe dafür (Büro für Naturtouristik Tel. 0048 95 7572212). Während sich Aurora in der mit Vogelgeschnatter und Froschgequake angefüllten Wasserwelt spiegelt, bekommt man eine Vorstellung davon, wie die Flussauen von Oder und Warthe vor der Trockenlegung vor rund 250 Jahren aussahen. Vor jener Zeit, da die vom Alten Fritz geholten Kolonisten ihren neuen Dörfern Namen wie Maryland, Louisa, Neu Amerika oder Hamshire gaben.

Wer die Warthemündung intensiver erkunden will, der kann sich im Naturkundemuseum in der Nähe des Kostrzyner Bahnhofs oder im Nationalpark-Zentrum südöstlich der Altstadt beraten lassen. Dort gibt es eine neue Wanderkarte, auf der die wichtigsten Routen eingezeichnet sind. Egal, ob man mit dem Paddelboot (buchbar u.a. bei Klaus Ahrendt, Tel. 0048 50 9923623), mit dem Fahrrad oder zu Fuß wandert – die Nationalpark-Auflagen sind streng und müssen eingehalten werden. „Sonst drohen Geldbußen", macht Kostrzyns Stadtmanager Ryszard Skalba (Tel. 0048 95 7278123) deutlich, der auch für Tourismus zuständig ist. So ist zum Beispiel das Angeln im Nationalpark verboten, für die anderen Gewässer gibt es wie in Deutschland auch Angelkarten.

Wer nach dem Sonnenaufgang in der Vogelrepublik Hunger auf ein zünftiges Mahl hat, der findet in Kostrzyn eine Vielzahl Schnell-Imbissangeboten. Ein solides Restaurant mit guter Küche allerdings gibt es ausschließlich im Hotel Bastion, das in der Nähe des einstigen Zorndorfer Tores der Altstadt befindet und das erste Haus am Platze ist. Dort startet man derzeit noch die Besichtigung der Festungsstadt, die während der Schlacht um Küstrin bis Ostern 1945 fast völlig zerstört und bis heute nicht wieder aufgebaut wurde. Mit Hilfe von EU-Fördermitteln wurden im vorigen Jahr Festungsteile wie das Berliner und das Kietzer Tor sowie die Bastion Philipp restauriert. Im Berliner Tor (Telefon 0048 60 7770603) befindet sich seit diesem Jahr auch die Tourist-Info mit einer kleinen Festungs-Ausstellung. Sobald die Sanierung des Tores abgeschlossen ist, wird dort auch der Haupteingang zur Festung sein, mit Zufahrt direkt von der Oderbrücke aus.

Auf deutscher Seite, im Küstrin-Kietzer Kulturhaus, lädt der Verein für die Geschichte Küstrins (Telefon 033479 4240) in ein kleines Museum, in dem Erinnerungsstücke zu 775-jähriger Stadtgeschichte präsentiert werden. Der Verein vermittelt auch Führungen durch die Festung und die Außenforts in Gorgast, Sarbinowo (Zorndorf), Czarnow (Tschernow) und Zabice (Säpzig). Die Zusammenarbeit deutscher und polnischer Touristiker indes steckt noch in den Kinderschuhen.

Es gibt in Kostrzyn weder Disko noch Kino. Dafür lockt die Stadt mit Veranstaltungen. Am 7./8. Juni gibt es die Küstriner Festtage, am 27. bis 29. Juni das Musikfestival Kostrzynella. Die Haltestelle Woodstock, Europas größtes Open-Air-Festival, wird am 1. und 2. August die Jugend aus vielen Ländern wieder in die Festungsstadt locken. Und am 30./31. August feierte die Stadt mit den 9. Festungstagen die ersten Erfolge beim Wiederaufbau von Festung und Stadt.

Vollständiger Text/ cały tekst:
Veröffentlichung/ data publikacji: 15.05.2008