Es war vor rund 150 Jahren! Julius Prott (Giulio Perotti) begann 1863 in Breslau seine internationale Karriere!

Giulio Perotti, Wien 1869, Foto: Dr. Szekely & Massak

Es war vor rund 150 Jahren!
Julius Prott (Giulio Perotti) begann 1863 in Breslau seine internationale Karriere!

Jetzt wissen wir es genau! Am 19. Juli 1863 debütierte Giulio Perotti noch als Julius Prott im Breslauer Stadttheater (heute Breslauer Oper) in Vincenzo Bellini’s Oper „Montecchi und Capuletti oder Romeo und Julia“.

Die Recherchen von Frau Dr. Dr. Sylwia Burnicka – Kalischewski im Archiv der Breslauer Oper, im Staatsarchiv Breslau sowie in der Universitätsbibliothek in Breslau haben zu interessanten Erkenntnissen geführt.
Giulio Perotti, der 1841 als Julius Prott in Ueckermünde geboren wurde, hat seine Heimatstadt recht früh verlassen. In Stettin, wo er bei seinem Onkel wohnte, hat er die ersten Gesangsstunden erhalten. Danach hat er ein Gesangsstudium nach Berlin aufgenommen.
Im Jahr 1863 war der 22jährige Giulio Perotti noch Gesangsstudent am Stern’schen Konservatorium in Berlin (heute – Universität der Künste). Als dieses 1850 von Julius Stern, Theodor Kullak und Adolf Bernhard Marx gegründet wurde hieß die Einrichtung zunächst „Musikschule für Gesang, Klavier und Komposition“. Ab 1857, nach dem Ausscheiden der beiden Mitbegründer, führte Perottis Gesangslehrer unter eigenem Namen als „Stern’sches Konservatorium“ die Schule. Julius Stern war ein bedeutender deutscher Sänger, Dirigent, Komponist und Pädagoge, der selbst in Paris Gesang studiert hat, mehrere Gesangs-, Musik- und Orchestervereine ins Leben gerufen hatte und u.a. Giacomo Meyerbeer sowie Hector Berlioz sehr gut kannte. In Breslau (damals drittgrößte Stadt Deutschlands) geboren, wusste Stern das hohe Niveau der Breslauer Oper zu schätzen, in der er seinem sehr talentierten Studenten Julius Prott das Bühnendebüt in der Rolle des Tebaldo in der Oper „Montecchi und Capuletti oder Romeo und Julia“ von V. Bellini ermöglichte.
Bei ihrem Pfingstbesuch in der wunderschönen Breslauer Oper, die in den Jahren 1804-1806 von Carl Maria von Weber geleitet wurde, erhielt Frau Dr. Dr. Sylwia Burnicka-Kalischewski dank der Aufgeschlossenheit der Generaldirektorin Ewa Michnik sowie des künstlerischen Leiters Tomasz Szreder die Möglichkeit die Oper, die Bühne sowie den Zuschauerraum zu fotographieren. Durch zahlreiche Brand-, Kriegs- und Hochwasserschäden kann das Archiv der Oper erst Dokumente, Bilder, Kritiken und Plakate ab dem Jahre 1945 vorweisen und ist bei Bedarf selbst auf die Universitätsbibliothek Breslau angewiesen.
Im Schlesisch-Lausitzer Institut für besondere Sammlungen der Universitätsbibliothek Breslau, erhielt sie professionelle Unterstützung vom Historiker und Mitarbeiter der wissenschaftlichen Information Dr. Grzegorz Sobel, der sich seit vielen Jahren mit den unterschiedlichen Aspekten der Breslauer Geschichte beschäftigt. Er hat mehrere Zeitungen aus Perotti-Zeiten gesammelt, die Dr. Dr. Sylwia Burnicka – Kalischewski auf Mikrofilmen einsehen konnte. Es zeigte sich, dass Julius Prott nur ganz kurz in Breslau weilte, denn er war in keinem Adressenbuch zu finden, obwohl man damals verpflichtet war, sich auch für einen kurzen Aufenthalt sofort am Tag der Ankunft anzumelden. Dr. Grzegorz Sobel fand das Plakat, die Morgennachrichten der „Breslauer Zeitung“ sowie der „Schlesischen Zeitung“, die die Aufführung der Oper „Die Familien Montecchi und Capuletti oder Romeo und Julia“ von V. Bellini am 19. Juli 1863 ankündigten. Erwähnt wurden in den Zeitungsartikeln jedes Mal Leonore de Ahna, gefeierte königliche Hof-Opernsängerin, die als Romeo ihr erstes Gastspiel in Breslau gab, Fräulein Kreuzer als Julia, die ab dem nächsten Monat bei der kaiserlichen Oper in Wien engagiert wurde und unser Julius Prott als Tebaldo, in der einzigen Rolle für Tenorstimme und einer der drei Hauptrollen. So jung konnte Julius Prott mit Romeo um die geliebte Julia konkurrieren. Zwei Tage später, am 21. Juli 1863, berichtete die „Breslauer Zeitung“: „Der „Tebaldo“ war in den Händen des Herrn Prott, eines jungen Tenoristen, der an diesem Abend die gefährlichen Bretter zum ersten Mal betrat, und dieses erste Gramen auch glücklich bestand. Sein Organ ist von edlem sympathischen Klange, der Ton weich, rund und bis in die höchste Lage von leichter Ansprache und metallischem Wohlklang. Vortrag und Spiel zeigen allerdings noch den Anfänger, und in dieser Beziehung muß das Weitere von der Zeit erwartet werden. Das Publikum behandelte den Debütanten mit vielem Wohlwollen, und er kann sein erstes Auftreten schon mit der Notitz vermerken: „mehrfach applaudiert und gerufen.““ Auch die „Schlesische Zeitung“ schrieb: „Herr Prott, der in der Rolle des Tebaldo zum erstenmale unsere Bühne betrat, hatte viel Ängstlichkeit zu überwinden, die sich namentlich in seinem Spiele zeigte. Der Besitz hübscher Stimmittel indeß lässt uns für die Zukunft dieses Künstlers nur gutes hoffen.“
Die wöchentliche „Schlesische Theater-Zeitung“ hat eine Woche nach dem Perotti-Debüt, am 26. Juli 1863, eine umfangreiche Kritik der Aufführung am 19. Juli 1863 veröffentlicht, in der wir über Giulio Perotti folgendes lesen können: „Ein bisher namenloser Herr Prott bekundete in der Rolle des „Tebaldo“, mit der er seinen ersten Versuch auf den verlockenden Brettern wagte, dass er, wenn auch nicht im Besitz einer starken, doch einer sympathischen und wohlgebildeten Stimme sei.“
Im Staatsarchiv Breslau hat der Direktor Dr. Janusz Golaszewski mehrere Bände der „Schlesischen Provinzialblätter“ sowie das Buch „Geschichte des Breslauer Theaters von 1841 bis 1900“ von Ludwig Sittenfeld (1909) für die Recherchen vorgeschlagen und aus dem Magazin holen lassen. Auch hier waren oft sehr positive Stimmen, wie „Mit ihr ließ Julius Prott, ein blutjunger Tenorist sich auf der Bühne hören, der sich später als Perotti einen Namen machte“ oder „…Perotti, der sich zum ausgezeichneten Tenoristen entwickelt hatte“ zu finden.
Die Kritiken sowie das Plakat hat Dr. Dr. Sylwia Burnicka – Kalischewski in digitaler Form mit in das Seebad Ueckermünde gebracht.
Ein herzlicher Dank geht an den Bürgermeister der Stadt Seebad Ueckermünde Herrn Gerd Walther, der im Vorfeld offizielle Schreiben nach Breslau schickte und um Unterstützung der Recherchen von Dr. Dr. Sylwia Burnicka – Kalischewski bat.

Foto: Dr. Szekely & Massak (Giulio Perotti; Wien 1869)

Vollständiger Text/ cały tekst: http://www.internationaler-perotti-gesangswettbewerb.de
Veröffentlichung/ data publikacji: 27.05.2013