Ex-Außenminister Dienstbier gestorben

Nach langer Krankheit ist der ehemalige tschechoslowakische Außenminister Jiří Dienstbier am Samstag in der Prager Fakultätsklinik Vinohrady verstorben.
Dienstbier war vor dem Jahr 1968 außenpolitischer Kommentator des Tschechoslowakischen Rundfunks, ehe er von der Staatsführung zur Aufgabe seines Berufs und zum Austritt aus der Partei gedrängt wurde. Bis zum Jahr 1989 konnte Dienstbier seiner journalistischen Tätigkeit nicht nachgehen und verdiente seinen Lebensunterhalt unter anderem als Nachtwächter und Heizer.
Dienstbier gehörte zu den Erstunterzeichnern der Charta 77, arbeitete als Redakteur der illegalen Zeitschrift Čtverec, begründete das Tschechoslowakische Helsinki-Komitee (Československý helsinský výbor) mit, publizierte und schrieb zahlreiche Bücher.
Mit der politischen Wende 1989/90 stand er wieder ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Dienstbier zählte zu den Mitbegründern des demokratischen Bürgerforums (Občanské forum). Unter dem neugewählten tschechoslowakischen Präsidenten Václav Havel wurde er im Dezember 1989 zum Außenminister der Tschechoslowakei ernannt. Am 23. Dezember 1989 durchschnitt er am Grenzübergang Waidhaus-Rozvadov gemeinsam mit dem damaligen deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher symbolisch mit einem Bolzenschneider den Grenzzaun zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland und unterstrich damit den Fall des Eisernen Vorhangs (Foto unten).

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Veröffentlichung/ data publikacji: 08.01.2011