In Polen, aber nicht polnisch

Es hätte eine Stunde der Verbundenheit werden sollen, doch es wurde ein Tag des Missvergnügens. Als der amerikanische Präsident Barack Obama am Mittwoch in Washington Jan Karski ehren wollte, einen der am meisten verehrten Helden des polnischen Widerstands gegen die deutsche Besetzung im Zweiten Weltkrieg, benutzte er ein Wort, das für nichtpolnische Ohren harmlos klingt, aus Warschauer Sicht aber fast so furchtbar ist, als hätte der Präsident nicht nur den legendären „Kurier der Heimatarmee“ (1914 bis 2000) der blanken Kollaboration mit den nationalsozialistischen Tätern bezichtigt, sondern ganz Polen.
Alles hatte als Fest der Einmütigkeit begonnen. Karski, der sich seinerzeit heimlich in ein deutsches Vernichtungslager in Polen hatte einschleusen lassen, um danach die ersten Berichte über den Holocaust in den Westen zu bringen, sollte postum mit der amerikanischen „Medal of Freedom“ geehrt werden. Der Präsident selbst hielt die Laudatio - und sprach dabei jenen Satz, der alles verdarb: „Jan“, sagte Obama, habe seinerzeit seine Berichte geliefert, nachdem Widerstandskämpfer ihn „in ein polnisches Todeslager“ geschmuggelt hätten.

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Veröffentlichung/ data publikacji: 01.06.2012